Unterhaltsame Absage an Untertanendenken

Klaus Oppitz mit seinem ersten Soloprogramm “Saugfrast” zu Gast im Alten Kino Rankweil.
Rankweil “Probiert hab ich’s schon, schön brav zu sein, aber ein bisschen was ist immer daneben gegangen. Sollten Sie im Lauf des Abends auf den Geschmack kommen, …”. So ermunterte der Sprecher, Moderator und Schauspieler bei seinem Gastspiel im Alten Kino Rankweil das nicht gerade zahlreich erschienene Publikum zum Aufbegehren gegen obrigkeitliche Ruhigstellungen. Als leuchtende Beispiele dafür dienen ihm die im “Struwwelpeter” vorkommenden, zur Abschreckung von Ungehorsam dienenden Figuren “Suppenkaspar” und “Daumenlutscher”.

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Ein Rückblick auf die eigene Geburt, bei der der Vater fragt: “Laut ist er, bleibt er so?”, steht gleichermaßen am Beginn des Programms und des zweiten Teils nach der Pause. In Letzterem schlüpft der Künstler einerseits in die Schuhe von unter dem “Saugfrast” Leidenden, andererseits hält er am Ende sich und dem Publikum einen Spiegel vor. Darin zu sehen sind Menschen, die zwar grundsätzlich für anständige, das Zusammenleben und die Zukunft unserer Welt förderliche Verhaltensweisen sind, im Alltag aber gerne für sich eine Ausnahme machen.

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In Erinnerung an seine Kindheit und Jugend in der oberösterreichischen Provinz zeigt er Methoden zum Ruhigstellen durch Erziehung. Beispielsweise das in der Volksschule geforderte Aufspringen, Haltung annehmen und “Grüüüüüüß Gott” rufen beim Betreten der Klasse durch eine erwachsene Person. Geschichten vom ruhig in einer Ecke sitzenden, von den Eltern gelegentlich beim Frühschoppen im Wirtshaus vergessenen Kind, dem ihm vom “Saugfrast” weggeschnappten Schwarm Gabi oder dem vor lauter Unauffälligkeit mit seiner Umgebung scheinbar verschmelzenden Vater gehörten ebenso dazu wie Häuslbauerlebnisse mit betrügerischen Firmen. Wenn sich die Mutter seines besten Freundes “Saugfrast” angesichts unguten Verhaltens immer wieder überzeugt gibt, dass der schon seinen Weg machen wird, kommentiert der Erzähler: “Ja, aber steil abwärts.”

Dass es auch anders geht, als alles hinzunehmen, zeigte Oppitz mit einer Geschichte aus seinem eigenen Leben. Nachdem er einen minimalen Anteil an einem Waldstück geerbt hatte, stufte ihn die Landwirtschaftskammer als Inhaber eines forstwirtschaftlichen Betriebes ein und schickte ihm eine Vorschreibung für Kammer- und Sozialversicherungsbeiträge. Weil auf seinen Einwand, dass er mit eineinhalb Bäumen keinen Betrieb habe und auch gar nicht in der Lage dazu wäre, nicht eingegangen wurde, quälte er zuerst die Kammer, später die Sozialversicherung so lange mit dem von einem befreundeten Arzt ausgestellten Attest und der Forderung nach einem Kuraufenthalt für nicht erlittene Rückenschäden durch die Nichtführung eines Betriebes, bis diese aufgaben.
“Mit mir als Anwalt hätte der Karl-Heinz Grasser nicht jahrelang auf seine Gefängnisstrafe warten müssen, der hätte schon bald gesessen”, gab der Künstler zwischendurch die “Stimme des Volkes”. Auch “Pyramidenbauer Benko” bekam sein Fett ab und der die amerikanische Jugend zur vorehelichen Enthaltsamkeit anhaltende “Clown Shaggy”. Zum (Aus)lachen waren weiters die zum Ruhigstellen von Kindern dienenden “Teletubbies” oder die einander gegenseitig unentwegt “Gute Nacht” sagenden Waltons. AME

















