Spannende Freiheitsaspekte beleuchtet

Heimat / 20.05.2026 • 16:41 Uhr
Vortag von Philospoh Hans Gruber über existenzielle Freiheit im Pallas der Schattenburg.
Vortrag von Philosoph Hans Gruber über existenzielle Freiheit im Pallas der Schattenburg.Arno Meusburger

Frappierende Erkenntnisse bei Vortrag von Philosoph Hans Gruber in der Schattenburg.

Feldkirch Das Jubiläum “650 Jahre Feldkircher Freiheitsbrief” ist unter anderem Anlass zur Sonderausstellung “Kerker, Ketten und ein Hauch von Freiheit”. Als Neuheit und Ergänzung dazu hat der dahinter stehende Feldkircher Heimatpflege- und Museumsverein drei Vorträge organisiert. Dazu gehört der mit dem Titel “FREI-WAHR-SINN” von Hans Gruber, zu dem im Pallas der Burg Vereinsobmann Martin Caldonazzi zahlreiche InteressentInnen begrüßen konnte. Er stimmte die Zuhörerschaft mit dem Beginn des Liedes “Über den Wolken” von Reinhard Mey auf den Abend ein und meinte, “dass wir Freiheit erst für uns selber definieren müssen”. Was seien die Kerker des Mittelalters und was unsere eigenen, sei eine Frage.

Vertiefung der Themen in der Sonderausstellung.
Vertiefung der Themen in der Sonderausstellung.

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Caldonazzi erinnerte an den Ausspruch “Freiheit besteht darin, den Tempel der Seele zu lehren” von Meister Eckhart, der 1260, also im Jahr des Baubeginns für die Schattenburg, geboren wurde. Der Vortrag entspreche einem der Vereinsziele: sammeln, bewahren, erforschen und vermitteln. Nach dem Vortrag gebe es die Gelegenheit zum Stellen von Fragen, danach einen Wechsel in die Sonderausstellung, wo bei einem von den Vereinsmitgliedern Lydia, Manuela und Thomas vorbereiteten Umtrunk die Themen weiter reflektiert und vertieft werden könnten.

Vereinsobmann Martin Caldonazzi begrüßte die BesucherInnen.
Vereinsobmann Martin Caldonazzi begrüßte die BesucherInnen.

Hans Gruber freute sich über den großen Zuspruch und kündigte an, über existenzielle, also nicht etwa Willens- oder politische Freiheit, zu sprechen. Der erste einer ganzen Reihe von ihm zitierter Philosophen war Schopenhauer, der die Unfreiheit als “vorgängig”, also Grundzustand, betrachtete. So wie Glück die Abwesenheit von Unglück und Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit sei, sei Freiheit die Abwesenheit von Unfreiheit. “Real sind nur die Ketten”.

Gruber wies auf den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik hin, demzufolge alles in unserer Welt nach Unordnung strebt. Von daher betrachten moderne Philosophen wie Niklas Luhmann das Leben als ein Hinauszögern der Unordnung, Ordnung als reduzierte Komplexität. Für Christoph Menke ist Freiheit ein Akt der Befreiung. Sehr beeindruckt hat den Referenten unter anderem die Tatsache, dass menschliches Verhalten immer mehr emotional bestimmt ist, rationale Argumente nur als Rechtfertigung dafür vorgebracht werden.

Hans Gruber berichtete von einer Versuchsanordnung, bei der Menschen für Leistungen falsch bezahlt wurden, sechzig Prozent das erst auf Nachfrage zugaben. Mit der beunruhigenden Erkenntnis der Studienautoren, dass “Menschen mit sehr, sehr hoher moralischer Überzeugung im praktischen Leben kein bisschen ehrlicher sind”. Sehr bedenklich auch die Feststellung von Charles Taylor (“Die negative Freiheit”), dass wir keine “Hierarchien der Freiheit” mehr kennen würden. Ein Stoppschild oder eine rote Ampel zu missachten dürfte öfter viel weniger dramatische Folgen haben als die Missachtung von Menschenrechten. Weiters haben gebildete und wohlhabende Menschen aus dem Westen weniger Probleme mit Geschichten von bedenklichem Verhalten als Arme sowie Menschen aus anderen Weltgegenden.

Durch die vielen technischen Möglichkeiten der Moderne lebten wir zwar in einem “Zeitalter der Freiheit”, durch die vielen Möglichkeiten kann aber viel Lebenszeit vertan werden. AME

Alsons Dür beteiligte sich an der Diskussion.
Alsons Dür beteiligte sich an der Diskussion.
Titel des Vortrags.
Titel des Vortrags.