Musikalische Brücke übers Mittelmeer

Heimat / 16.06.2026 • 10:05 Uhr
Die Bühne im Antiquariat Chybulski: Sand, Sträucher und eine blaue Wand als symbolischer Horizont des Mittelmeers.
Die Bühne im Antiquariat Chybulski: Sand, Sträucher und eine blaue Wand als symbolischer Horizont des Mittelmeers.Henning Heilmann

Zwischen Faszination und Flucht: “Meerblick” als Konzertkonzept mit Streichquartett.

FFELDKIRCH Aus den brisanten Themen Identität und Flucht, klassischen Werken des spanischen Impressionismus und traditioneller Musik des Maghreb entwickelte die Musikerin Paula Barrocal Esquivias an der Stella Vorarlberg ein ganzheitliches Konzertprojekt, das Musik von beiden Seiten des Mittelmeers zum Gesamtkunstwerk verband und bei der Aufführung im Antiquariat Chybulski begeisterte.

„Acuarelas Valencianas“ eröffnen den Abend mit sonnendurchfluteter Leichtigkeit und mediterraner Klangfarbe.
“Acuarelas Valencianas” eröffnen den Abend mit sonnendurchfluteter Leichtigkeit und mediterraner Klangfarbe.

Vermeintliche Idylle

Umgeben von scheinbarer Idylle mit Sand und Sträuchern des Mittelmeers war die Bühne für das Streichquartett vor dem Hintergrund einer blauen Wand, die das weite Meer symbolisierte und mal mit Poesie, dann wieder mit tödlicher Statistik aufwartete, gerichtet.

Impulse Stiftung Gründerin Dr. Jutta Gnaiger-Rathmanner, Paula Barrocal Esquivias und Violinistin Karin-Regina Florey.
Impulse Stiftung Gründerin Dr. Jutta Gnaiger-Rathmanner, Paula Barrocal Esquivias und Violinistin Karin-Regina Florey.

Das einstündige Konzert bestritten Raul Campos und Patricia Cordero an der Violine, Martin Moriarty an der Viola und Nigel Thean am Violoncello. Zum Auftakt erklangen die “Acuarelas Valencianas” von Eduardo López Chavarri, Aquarelle voller mediterraner Wärme, sonnendurchflutet und von tänzerischer Leichtigkeit geprägt. Eduard Toldrà Solers “Vistes al Mar” lenkte den Blick aufs offene Meer. Von dort spannte sich der Bogen übers Mittelmeer nach Nordafrika zu traditionellen arabischen Klängen. Alexey Kochetkov vertonte die Sahara und Dahman Elharrachi fragte “Ya Rayeh Win Msafer”, “O Reisender, wohin gehst du?”, ein nachdenkliches Lied über Auswanderung.

Caroline, Judith, Daniel, Georgia und Hadi erlebten ein temperamentvolles Konzert.
Caroline, Judith, Daniel, Georgia und Hadi erlebten ein temperamentvolles Konzert.

Elegant und ornamentreich folgte “Lama Bada Yatathanna”, ein Liebeslied voller Anmut. Antón García Abrils Gesänge über die Flut zeichneten Gezeiten, Wellen und Wind nach. Effektreich wurde das Meer im Rücken durch einen Ventilator mit Wellen aufgewühlt. Sehnsüchtig erklang “La niña que se va al mar”, ehe zum Finale mit “Et in terra pax” eine Friedensbotschaft folgte. Hierbei begeisterte Raul Campos mit einem atemberaubend facettenreichen Violinensolo.

“Die Werke wurden sorgfältig ausgewählt, um die Ideen umzusetzen”, erklärt die Violinistin Paula Barrocal Esquivias, die aus Alicante stammt und die Ankunft von Flüchtlingsbooten selbst erlebt hat.

Begeistertes Publikum

Das Spiel des Streichquartetts, verbunden mit dem Bühnenbild von Lida Guillem und dem Lichtdesign von Michael Gmeiner, begeisterte die Zuhörer im Antiquariat Chybulski wie Impulse Stiftung Gründerin Dr. Jutta Gnaiger-Rathmanner und Violinistin Karin-Regina Florey. HE

Das Ensemble zeichnet mit Eduard Toldrà Solers „Vistes al Mar“ den Blick aufs offene Meer nach.
Das Ensemble zeichnet mit Eduard Toldrà Solers “Vistes al Mar” den Blick aufs offene Meer nach.
Übergang nach Nordafrika: Traditionelle Klänge schlagen eine musikalische Brücke über das Mittelmeer.
Übergang nach Nordafrika: Traditionelle Klänge schlagen eine musikalische Brücke über das Mittelmeer.
Raul Campos beeindruckt im Finale mit einem virtuosen und facettenreichen Violinsolo.
Raul Campos beeindruckt im Finale mit einem virtuosen und facettenreichen Violinsolo.
Das Konzert begeisterte das Publikum im Antiquariat Chybulski.
Das Konzert begeisterte das Publikum im Antiquariat Chybulski.
Das Finale „Et in terra pax“ setzt eine eindringliche musikalische Friedensbotschaft.
Das Finale “Et in terra pax” setzt eine eindringliche musikalische Friedensbotschaft.
Raul Campos trug auch ein poesievolles Gedicht über den Ginster vor.
Raul Campos trug auch ein poesievolles Gedicht über den Ginster vor.
Mit nuancenreicher Ausdruckskraft formt das Violinsolo von Raul Campos den emotionalen Höhepunkt des Abends.
Mit nuancenreicher Ausdruckskraft formt das Violinsolo von Raul Campos den emotionalen Höhepunkt des Abends.
Begeisterter Applaus im Antiquariat Chybulski für ein vielschichtiges Konzert zwischen Faszination und Flucht.
Begeisterter Applaus im Antiquariat Chybulski für ein vielschichtiges Konzert zwischen Faszination und Flucht.