Bergrettung trainierte Ernstfall am Zimbajoch

Trotz Regen und Nebel übte die Bergrettung Vandans eine aufwendige Höhenrettung.
Vandans Das Zimbajoch ist ein hochalpiner Übergang zwischen dem Brandnertal und dem Rellstal. Es wird beim Zustieg zur Normalroute auf die Zimba via Westgrat begangen, aber auch von Bergsteigern gequert, die von der Sarottlahütte zur Heinrich-Hueter-Hütte wollen oder umgekehrt. In der Vergangenheit kam es in unterschiedlichen Bereichen immer wieder zu Unfällen. “Die in den letzten Jahren gesteigerte Frequenz an Bergsteigern war mit ein Grund, wieder einmal eine intensive Übung zwischen Zimbajoch und Heinrich-Hueter-Hütte abzuhalten”, so Ausbildungsleiter Johannes Stoiser von der Bergrettung Vandans.

Aufwändige Übungsvorbereitungen
Er führte mit Bergführer Matthias Ganahl und dem Leiter der Alpinen Einsatzgruppe Bludenz, Polizeibergführer Bernhard Thaler – beide Mitglieder der Ortsstelle Vandans – mehrere Begehungen durch. “Wir haben mit einem digitalen Distanzmessgerät die verschiedenen Seillängen ausgemessen und an geeigneten Stellen Haken eingeklebt”, so Stoiser. Für eine normale Begehung bis zum Zimbajoch sind diese nicht notwendig. Um eine verletzte Person mittels einer Trage abzuseilen, allerdings von unschätzbarem Wert. “Wir sind dadurch einfach schneller, können überschlagend die Abseilpisten vorbauen und so einen raschen Abtransport im teils sehr steilen und steinschlaggefährdeten Gelände gewährleisten”, erklärt das Ausbildungsteam.

Übungstag mit Einsatzwetter
Alles war angerichtet, um eine perfekte Übung abhalten zu können. Die Polizei stellte einen Hubschrauber zur Verfügung, mit dem das Material zum Zimbajoch geflogen werden sollte, sechs Alpinpolizisten unterstützten die Bergrettung bei dieser aufwändigen Übung. Allein der Wettergott hatte kein Einsehen – Regen und Nebel führten dazu, dass der Hubschrauber am Boden blieb und die Übung verkürzt werden musste. “Das ist eben Einsatzwetter”, erklärten die Kameraden und Kameradinnen unisono, schulterten das Material und begannen den beschwerlichen Aufstieg.

Trage, Seilbahn, Rutschgefahr
Abgesehen vom Hubschrauberflug wurde die Übung wie geplant, aber leicht verkürzt, durchgeführt. Unter realen Einsatzbedingungen wurden insgesamt acht Abseillängen mit bis zu 120 m Seillänge in knapp 3,5 Stunden bewältigt. Eine steile, steinschlaggefährdete Geröllrinne wurde sogar mittels einer 60 m langen Seilbahn gequert. Neben der perfekten Übungsvorbereitung wurde den Protagonisten die Arbeit durch Bernhard Schönherr von der Firma Tyromont erleichtert. Er stellte die neue Tyral-Gebirgstrage zur Verfügung, die sich vor allem durch ein sehr geringes Gewicht auszeichnet. Die moderne Aluminiumtrage wird in naher Zukunft die alte Stahltrage, die mehr als doppelt so schwer ist, ersetzen. “Hinauftragen muss man sie trotzdem erst – zusammen mit unzähligen Seilen, Karabinern und Sicherungsgeräten. Ein perfekter Test für Mensch und Material unter realistischen Bedingungen”, freut sich der Ausbildungsleiter. In der Heinrich-Hueter-Hütte wurde im Seminarraum eine vorgeschobene Einsatzleitung aufgebaut. Auch das ein Novum mit einigen Anlaufschwierigkeiten. Ohne eine gute Internetverbindung der Firma ufdroht/datenstrom wäre die Einsatzleitung rein auf die Meldungen angewiesen, die über das digitale Funksystem hereinkommen. So waren zumindest ein paar Echtzeitdaten über das Bergrettungssystem OrDa abrufbar. Der Dank gilt allen ÜbungsteilnehmerInnen, die Wind und Wetter trotzten, der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei für ihre Unterstützung und dem Team der Heinrich-Hueter-Hütte für die hervorragende Verpflegung. STO


