Schüler erleben Barrieren am eigenen Leib

Ein Selbstversuch in Schruns zeigte Jugendlichen die Hürden eines barrierefreien Alltags.
Schruns Wie schwierig der Alltag für Menschen mit Geh- oder Sehbehinderungen sein kann, erfuhren Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Schruns Dorf bei einem besonderen Selbstversuch. Gemeinsam mit dem Sozialausschuss der Gemeinde nahmen sie öffentliche Einrichtungen unter die Lupe – und stießen dabei auf zahlreiche Hindernisse.

Für das Projekt konnten die Schülerinnen und Schüler der zweiten Klassen der Mittelschule Schruns Dorf mit ihren Pädagoginnen und Freizeitbetreuerinnen gewonnen werden. Ausgestattet mit Rollstühlen, Rollatoren, Blindenstöcken, Krücken und Kopfhörern versetzten sie sich einen Vormittag lang in die Situation betroffener Menschen. “Mir hat die Idee gut gefallen und im Projektunterricht der Mittelschule Schruns Dorf wurde diese dann auch realisiert. Keiner glaubt an Einschränkungen, wenn er nicht selbst davon einmal betroffen ist”, fasst das gesamte Projekt die Leiterin der Mittagsbetreuung der Mittelschulen Ursula Blaickner-Stampfer zusammen.
Viele Hürden
Was zunächst einfach erschien – etwa ein Besuch auf dem Gemeindeamt – entwickelte sich für die Rollstuhlfahrer rasch zu einer Herausforderung. Bereits der Zugang zum Gebäude erforderte Umwege, da sich die Rollstuhlrampe seitlich des Eingangs befindet. Im Bürgerservice wartete bereits das nächste Hindernis: Der Empfangstresen ist so hoch, dass Rollstuhlfahrer kaum Blickkontakt mit den Mitarbeitenden aufnehmen können.

Bewusstseinsbildung
Auch an anderen Orten wurden die Schülerinnen und Schüler mit alltäglichen Barrieren konfrontiert. Nach außen öffnende Türen, nicht optimal ausgestattete Toilettenanlagen oder schwer zugängliche Bereiche machten deutlich, wie viele Hindernisse Menschen mit Behinderungen überwinden müssen.
Am Ende des Projekts zeigten sich die Jugendlichen überrascht, wie viele Stolpersteine es in ihrer Heimatgemeinde tatsächlich gibt. Gleichzeitig lernten sie, wie wichtig Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und eine möglichst barrierefreie Gestaltung öffentlicher Räume sind. Der Selbstversuch habe bei allen Beteiligten nachhaltig zur Bewusstseinsbildung beigetragen, lautet das Fazit der Organisatoren. STL