Ein Traditionsverein ist längst am Limit

Heimat / 14.08.2026 • 11:14 Uhr
21 Jahre Spitzenhandballsport in Feldkirch.
21 Jahre Spitzenhandballsport in Feldkirch. Thomas Knobel

Ein Aufstieg und Nachwuchsboom – doch die Arbeit bleibt an Ehrenamtlichen hängen

Feldkirch Der Ball fliegt wieder, bald beginnt die neue Saison. Sportlich könnte die Ausgangslage beim Feldkircher Handball kaum spannender sein: Die Damen starten zum 21. Mal in Österreichs höchster Liga, die Herren sind in die württembergische Landesliga aufgestiegen, das Nachwuchscamp mit mehr als 100 Kindern ist ausverkauft. Und trotzdem spricht sportlicher Leiter Bernhard Grissmann von “Baustellen”.

Sportchef Bernhard Grissmann muss viel Arbeit verrichten.
Sportchef Bernhard Grissmann muss viel Arbeit verrichten. Thomas Knobel

Die größte davon ist nicht auf dem Spielfeld zu finden. Es fehlen Menschen, die den Betrieb dahinter am Laufen halten.

Der Verein wird organisatorisch komplett ehrenamtlich geführt. Was früher vielleicht noch problemlos neben Beruf und Familie möglich war, wird angesichts der Größe und sportlichen Ambitionen zunehmend zur Belastungsprobe. Spielbetrieb, Nachwuchsarbeit, Hallenorganisation, Veranstaltungen, Sponsoren und Kommunikation müssen zusätzlich zum normalen Leben bewältigt werden.

“Ich kenne meinen Verein nicht ohne Baustellen”, sagt Grissmann. Der Satz klingt lapidar, beschreibt aber ein strukturelles Problem. Denn der Klub wächst sportlich, während die Zahl jener, die Verantwortung übernehmen, offenbar nicht im gleichen Maß mitwächst.

Besonders deutlich wird das im Nachwuchs. Die Nachfrage nach Handball ist groß, das Camp im September bereits ausverkauft. Gleichzeitig wird es schwieriger, ausreichend Trainer zu finden. “Die Trainersuche wird jedes Jahr schwieriger”, sagt Grissmann. Mehr Kinder bedeuten eben nicht nur mehr Talent und mehr Zukunft, sondern auch mehr Trainingszeiten, mehr Organisation und mehr Betreuer.

Auch die Spitzenmannschaften erhöhen den Aufwand. Die Damen müssen als einziges Team aus Vorarlberg beziehungsweise Westösterreich in der WHA Meisterliga regelmäßig weite Strecken nach Ostösterreich zurücklegen. Jede Reise kostet Zeit und Geld. Bei den Herren wartet nach dem Aufstieg in die württembergische Landesliga eine sportlich anspruchsvolle Saison, der Kader ist klein und jung.

Gleichzeitig steigen die allgemeinen Kosten, während Förderungen zurückgehen. Sponsoren zu finden wird schwieriger. Und auch bei der Infrastruktur sieht Grissmann den Verein gegenüber anderen Klubs teilweise im Nachteil.

Trotzdem will Feldkirch weiter investieren – in die Jugend ebenso wie in die medizinische Betreuung der Aktiven-Teams. Genau hier liegt die Herausforderung: Der sportliche Anspruch steigt, die Ressourcen bleiben begrenzt.

Bei der Generalversammlung am 5. Oktober will der Verein deshalb neue Ehrenamtliche gewinnen. Nicht nur für große Vorstandsaufgaben, sondern auch für einzelne, überschaubare Tätigkeiten. Denn manchmal braucht es keine weitere Person, die gleich einen ganzen Verein übernimmt. Es reicht jemand, der eine Aufgabe abnimmt.

Sportlich hat der Feldkircher Handball Grund zur Hoffnung. Organisatorisch steht der Klub vor der Frage, wie viele Erfolge sich noch tragen lassen, wenn immer weniger Menschen die Arbeit dahinter schultern. VN-TK