Eine Brauerei schreibt Geschichte

1902 von 35 Wirten gegründet, überstand die Frastanzer Brauerei Kriege und Krisen.
Frastanz Als um die Jahrhundertwende Dorfbrauereien ums Überleben kämpften, entstand in Frastanz ein ungewöhnliches Gegenmodell. Statt sich von großen Brauereien abhängig zu machen, schlossen sich Wirte aus der Region zusammen. Am 22. Juli 1902 gründeten 35 Männer die Brauereigenossenschaft Frastanz. Treibende Kraft war der Frastanzer Sonnenwirt Martin Reisch, der bis 1911 erster Obmann blieb. Ihr Ziel formulierten die Gründer selbstbewusst: Zusammenhalten und den großen, preisdiktierenden Brauereien trotzen.

Für Frastanz sprach die verkehrsgünstige Lage, aber auch das gute Wasser. Die Pläne für die neue Brauerei stammten vom Ingenieurbüro Hägele und Mayr aus Ulm, ausgeführt wurde der Bau 1902 und 1903 vom Unternehmen Christian Zangerl. Das Sudhaus mit seinen hohen Rundbogenfenstern und der zweifarbigen Backsteinfassade wurde zum markanten Mittelpunkt. Im Mai 1903 floss erstmals Bier aus den Kesseln. Im August wurde Frastanzer Bier bereits in 16 Gasthäusern in Vorarlberg und Liechtenstein ausgeschenkt. Die junge Genossenschaft musste allerdings bald investieren.


1908 wurde das Brauereigebäude erweitert und einer der ersten Lastwagen Vorarlbergs für den Transport der schweren Eichenfässer angeschafft. 1913 folgte eine Flaschenfüllerei, 1927 wurden der Gärkeller erweitert und ein neuer Lagerkeller mit Aluminiumtanks eingerichtet. Die beiden Weltkriege hinterließen deutliche Spuren. Während des Ersten Weltkriegs wurden Lastwagen, Pferde und Arbeiter eingezogen. Im Zweiten Weltkrieg mussten erneut Anlagen für die Kriegswirtschaft abgebaut werden, gleichzeitig erschwerte der Rohstoffmangel die Bierproduktion. Mais, Reis und Zuckerrüben dienten als Ersatz für die fehlenden Braurohstoffe.

Wiederaufbau nach 1945
1956 entstand ein neues, leistungsfähiges Sudhaus, später folgten Erweiterungen und Modernisierungen. Der historische Gebäudetrakt steht seit 2003 unter Denkmalschutz. Auch der Genossenschaftsgedanke überlebte die Jahrzehnte. Ab 2016 konnten tausend Personen aus der Region Miteigentümer werden; innerhalb eines Monats waren die Mitgliedschaften vergeben. Heute ist die Brauerei weiterhin als Genossenschaft organisiert. Die Mitgliedschaften sind mittlerweile vollständig vergeben. Gleichzeitig wurde kräftig in die Zukunft investiert. 2023 ging nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit ein neues Produktionsgebäude in Betrieb. Die sogenannten kalten Produktionsschritte finden seither dort statt, während im denkmalgeschützten Sudhaus weiterhin gebraut wird. Eine Besonderheit blieb die offene Gärung, die mit moderner Technik verbunden wurde. Auch heute wird das Bier mit Wasser aus dem hauseigenen Brunnen und regionalen Zutaten gebraut.

Jubiläum im Jahr 2027
2027 steht ein besonderer Meilenstein bevor: 125 Jahre nach der Gründung im Jahr 1902 kann die Genossenschaft ihr Jubiläum feiern. Aus dem Zusammenschluss von 35 Wirten ist eine bis heute eigenständige Brauerei geworden, die historische Bausubstanz, traditionelle Herstellung und moderne Produktion miteinander verbindet. MEC