Auch der Waldboden ist zu trocken

Spannende Exkursion in den Wald: Klimawandel macht vor den Bäumen nicht Halt.
Feldkirch Unter der Headline “Drei Wälder und eine Messerspitze Chemie” lud die Rheticus-Gesellschaft am Samstag zu einer kostenlosen naturkundlichen Exkursion in den Wald. Unter der Leitung des Biologen Tobias Fleisch führte die Wanderung nahe dem Känzele bei Göfis in eine typische Waldzone, um über den Klimawandel, Abgase und die Zukunft des Waldes im Walgau aus erster Hand zu informieren.

Wald nicht gleich Wald
Dabei wurde schnell deutlich, dass Wald nicht gleich Wald ist. Welche Baumarten am Standort vorkommen, hängt von mehreren ökologischen Faktoren ab. Entscheidend sind Licht, Temperatur, Feuchtigkeit, Bodensäure und das Nährstoffangebot, speziell die Verfügbarkeit von Stickstoff. Unterhalb 1500 Metern Seehöhe wie im Wald rund um Feldkirch wäre in Vorarlberg natürlicherweise vor allem Buchenwald dominant. Dennoch ist Fichtenanbau, der lange als am wirtschaftlichsten galt, weit verbreitet. Nadelwald-Monokulturen übersäuern den Waldboden. Gesunder Mischwald bietet einen gesunden Waldboden. Natürlicherweise sind Fichtenwälder oberhalb 1500 Metern zu finden, dort gut an Kälte angepasst.

Nach Informationen des Exkursionsleiters liegt die mittlere Temperatur in Vorarlberg mittlerweile fast drei Grad über dem vorindustriellen Jahresdurchschnitt. Dabei geht es nicht allein um höhere Temperaturen. Zwar wird sich der Jahresniederschlag in Vorarlberg voraussichtlich nicht wesentlich verändern, aber die Verdunstung nimmt zu und die Verteilung übers Jahr wird unvorhersehbarer. Im Sommer 2026 fiel eine längere Trockenperiode mit einer Hitzewelle zusammen. Für die Pflanzen bedeutet das zusätzlichen Stress. Die meisten heimischen Arten in Vorarlberg sind nicht an längere Trockenperioden angepasst und können Wasser nur begrenzt speichern.

Eine weitere Rolle spielt Stickstoff. Obwohl 70 Prozent der Luft aus gasförmigem Stickstoff bestehen, können Pflanzen diesen nicht unmittelbar nutzen. Natürlich ist Stickstoff zumeist eine knappe Ressource, an die sich die heimischen Pflanzen angepasst haben. Durch die menschlichen Aktivitäten gelangt jedoch zusätzlicher Stickstoff in die Umwelt. Bei der Erdölverbrennung entstehen Stickoxide, die über den Regen in die Ökosysteme gelangen. Auch Überdüngung in der Landwirtschaft kann zu erhöhten Einträgen führen. Von Stickstoffüberschuss profitieren invasive Pflanzenarten. Sie können bei einem hohen Nährstoffangebot schnell wachsen und sich stark vermehren und dadurch heimische Arten verdrängen. Als Beispiele wurden Riesengoldrute, Bärenklau, Drüsiges Springkraut, Japanknöterich und Robinie genannt.
Für einen klimafitten Wald für die Zukunft gibt es in Vorarlberg aber auch Vorteile. Der stark fragmentierte Waldbesitz mit vielen kleinen Parzellen hat dazu geführt, dass ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Wälder entstand. “Vielfalt macht den Wald widerstandsfähiger”, erklärte Biologe Tobias Fleisch.

Keine einfache Lösung
Für die Forstwirtschaft stellt der Klimawandel eine besondere Herausforderung dar. Ein heute gepflanzter Wald soll mit Bedingungen in 50 Jahren zurechtkommen. Die Baumarten, die dafür möglicherweise besonders gut geeignet wären, sind als Jungpflanzen heute jedoch noch nicht optimal angepasst. Die Botschaft der Waldexkursion rund ums Känzele war klar: Es gibt keine einfache Lösung. Mit einem vielfältigen Wald hält man sich aber Optionen offen. An der Exkursion nahmen unter anderem Dr. Richard Werner von der Rheticus-Gesellschaft sowie Friederike Reisch teil. HE




