Ein Kleinod mit Geschichte

Andreas Rudigier präsentierte Kunstinteressierten die St. Martinskirche in Ludesch.
ludesch Vergangenen Samstag luden der Geschichtsverein Region Bludenz und das Gemeinschaftsmuseum Walgau zu einer Führung in die Ludescher St. Martinskirche. Mit Andreas Rudigier, inzwischen Direktor der Tiroler Landesmuseen, konnte ein profunder Kenner der Materie für diese Veranstaltung gewonnen werden.

Zunächst gab er einen kurzen baugeschichtlichen Überblick zur bereits um 800 erstmals erwähnten Kirche, deren ursprüngliche Form in den 1990er Jahren archäologisch aufgenommen wurde. In der Folge erklärte er die verschiedenen künstlerischen Besonderheiten dieser Kirche. Die Kunstwerke erstrecken sich nicht nur über mehrere Jahrhunderte, sondern umfassen dadurch auch mehrere Stilrichtungen, reichen sie doch von der Romanik über die Gotik bis zum Barock.

Aus der romanischen Zeit stammen die kunsthistorisch wertvollsten Objekte. Zum einen ist das das im Chorbogen auf einem Querbalken angebrachte Kruzifix, das in seiner schlichten, geradlinigen Form typisch für diese Epoche ist und vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammt. Zum anderen ist es das wohl aus Frankreich stammende Vortragskreuz, das in der Apsis gezeigt wird. Aus gotischer Zeit stammen die drei wunderschönen Altäre. Der Hauptaltar mit einer Muttergottes im Zentrum verweist gleich in zweifacher Hinsicht auf den für die Kirche namensgebenden Hl. Martin, einmal in der Predella mit einer Darstellung der berühmten Mantelszene und dann als freistehende Figur im Bischofsornat neben Maria. Ihm gegenüber verweist der Hl. Luzius auf die Zugehörigkeit der Kirche zum Bistum Chur.

Das Besondere an St. Martin ist neben dieser Vielfalt vor allem auch die Tatsache, dass es seit dem frühen 17. Jahrhundert praktisch keine Veränderungen in diesem Gotteshaus mehr gegeben hat – außer der Verlegung des barocken Rosenkranzaltars an die rechte Apsisseite und der bewussten Anbringung des Volksaltars des Vorarlberger Künstlers Herbert Albrecht über dem Altar der ursprünglichen Kirche.
In seinen Ausführungen ging Rudigier auch auf die zahlreichen geheimnisvollen Mythen ein, die sich um die St. Martinskirche ranken. Vieles ist diesem Kirchlein im Laufe der Jahrhunderte angedichtet worden, und so manche Geschichte kursiert noch heute, ohne dass es dafür logische Erklärungen gibt. OS