Demokratie lebt vom Mitmachen

Salon Montfort diskutierte am Internationalen Tag der Demokratie über Partizipation.
Feldkirch “Auch du, Demokratie?” lautete auf der Premiere der neuen Veranstaltung Salon Montfort anlässlich des Internationalen Tages der Demokratie am 15. September im Palais Liechtenstein die Frage. Der Titel spielte auf den Ausruf “Auch du, Brutus?” aus William Shakespeares Julius Caesar an, der zum Sinnbild für Verrat und enttäuschtes Vertrauen geworden ist.

Lebhafte Diskussion
In einer angeregten Diskussion wurden Ideen eingebracht, wie Freiheit und Partizipation gestärkt und Vertrauen in die Demokratie zurückgewonnen werden können. Als Experten nahmen die Demokratieforscherin Dr. Tamara Ehs sowie der Autor und Schauspieler Tobias Fend von Café Fuerte teil.

Die Fishbowl ist ein demokratisches Gesprächsformat, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Ziel ist, möglichst viele Teilnehmer aktiv zu beteiligen und eine Vielzahl verschiedener Ideen und Perspektiven zu beachten. Dazu wurde bewusst ein Stuhl freigelassen, auf dem sich das Publikum einbringen konnte.

Im Saal des Palais Liechtenstein begrüßten Manfred Rädler, Bürgermeister Stadt Feldkirch, Stefan Vetter, Vorstand Raiffeisenbank Montfort, und Kulturabteilungsleiterin Maria Simma die Gäste. Rädler rief den Freiheitsbrief von Feldkirch in Erinnerung, in dem Graf Rudolf V. von Montfort 1376 der Stadt Feldkirch Bürger- und Mitbestimmungsrechte garantierte. Als Beispiel für gelungene Partizipation und Schulung in Demokratie von klein auf nannte er die Kinderstadt Feldkirch und die Kinderstadtvertretung. “Wir wollen als Bank einen Beitrag für ein gelingendes Leben in Feldkirch leisten”, erläuterte Vetter die Kooperation der Raiffeisenbank mit dem Salon.

Wolfgang Gruber, ehemaliger AK-Konsumentenschützer und Stadtrat in Feldkirch, nannte geduldiges Zuhören und ein wertschätzendes Miteinander als wichtige Elemente der Demokratie, welche oft zu kurz kämen. Fend erlebte in dörflichen Strukturen oft Schein-Einstimmigkeit und den fehlenden Mut, mit Nein zu stimmen. Evelyn Dünser zeigte sich angesichts aktueller Ereignisse wie der Sachsen-Anhalt-Wahlen bestürzt, wo viele Jugendliche rechtsextrem wählten. Es sei deshalb wichtig, dass sich die Jugend wie im Jugendbeirat direkt mit ihren Anliegen einbringen könne.

Tamara Ehs identifizierte zentrale Elemente wachsender Unzufriedenheit mit der Politik. Dazu zähle insbesondere, dass die Probleme der Teuerung und der weltweiten Kriege nicht vor Ort regional gelöst werden könnten. Die Interessen von Jugendlichen kämen zu kurz, da sich Politiker wahlstrategisch vorwiegend um die 55±Wähler kümmerten. Moderatorin und Prozessbegleiterin Nicole Cogiehl ließ alle gleichberechtigt sprechen.

Im Anschluss an die Fishbowl-Diskussion nahmen viele Diskussionsbesucher Einblick in den Feldkircher Freiheitsbrief. Im Innenhof wurde weiter debattiert und die mittels KI ausgewerteten Empfehlungen aus der Diskussionsrunde waren für alle sofort lesbar: Zuhören üben, in der Familie anfangen, patriarchale Muster aufbrechen, Wahlrecht ausweiten, Schluss mit Scheinpartizipation, verstärkte Partizipation junger Menschen, Evolution statt Revolution, mehr Zeit für Beteiligung, neue Begegnungsräume schaffen.

Zahlreiche Gäste
Zu den Gästen zählten die Ortsvorsteherinnen Gisingen Judith Heeb und Nofels Silvia Fröhle, Tisis und Innenstadt Dr. Elisabeth Pucher sowie der angehende Stadtmarketing-Geschäftsführer Jakob Traxler, der WIGI-Gisingen-Wirtschaftsgemeinschaft-Obmann Alfred Hugl und der Musiker und Songwriter Marcus Nigsch alias Marque. HE




