Kriegerdenkmal am “Gitzibühel” in Bludenz

Heimat / 29.09.2026 • 14:01 Uhr
Zahlreiche Vereine wohnten der Eröffnung im Juni 1928 bei.
Zahlreiche Vereine wohnten der Eröffnung im Juni 1928 bei. StAdt Bludenz, Sammlung Eggler

Vor knapp hundert Jahren entstand unter der Laurentiuskirche ein ganz besonderes Denkmal.

Bludenz Am Tag des Denkmals am vergangenen Sonntag gab es die seltene Gelegenheit, gemeinsam mit Ute Denkenberger vom Vorarlberg Museum das Bludenzer Kriegerdenkmal beim Oberen Tor zu begehen. Mitte der 1920er-Jahre entstand wie damals in vielen Orten auch in Bludenz die Idee, ein Kriegerdenkmal zu errichten. Der eben gegründete Kameradschaftsbund machte es sich zur Aufgabe, diese in die Tat umzusetzen.

Unter mehreren Entwürfen wählte der Vereinsausschuss den des Bregenzerwälder Architekten Alfons Fritz aus. Der Schüler von Clemens Holzmeister und sicher einer der bedeutendsten Vorarlberger Architekten der Zwischenkriegszeit ging bei seinen Planungen zunächst einmal von der richtigen Ortswahl aus. Auf dem sogenannten “Gitzibühel” im Westen der St. Laurentiuskirche wollte Fritz eine “begehbare Skulptur” schaffen, die in ihrer Grundstruktur einem Kalvarienberg nachempfunden war. Die feierliche Eröffnung, die fotografisch gut dokumentiert ist, fand am 23. Juni 1928 statt.

Verweilen am sogenannten
Verweilen am sogenannten “Ehrenhof” OS

Beginnend neben dem Oberen Tor, dem ursprünglichen Eingang in die Stadt, begann Ute Denkenberger mit den circa zwanzig Besuchern den “Kreuzweg”. Von der Mutterstraße stieg man zum sogenannten “Ehrenhof” hoch, einer Aussichtsterrasse, die als Feldaltar diente und von einem schlichten, aber doch monumentalen Betonkreuz (bewusst ohne Korpus) beherrscht wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Denkmälern verzichtete Alfons Fritz bei seiner Anlage auf jegliche Symbolik. An die ursprünglich hier stehende Eiche erinnert nur noch ein Stamm-Querschnitt am Boden.

Interessierte Besucher bei der
Interessierte Besucher bei der “Ankunft am Himmelstor” bei der Laurentiuskirche OS

Von der Terrasse führt der Weg dann weiter nach oben in die ruhige, dunkle Krypta, in der sich ein einem Haus nachempfundener Sarkophag befindet. An den Wänden sind hier die Namen der in den beiden Weltkriegen gefallenen Bludenzer eingraviert. Der Weg wird nach oben fortgesetzt. Vorbei an einem Fresko des Auferstandenen von Hans Bertle führt er über eine steile Treppe, die symbolisch für die Himmelsleiter steht, gewissermaßen aus dem Reich der Toten in das Licht. Er endet unmittelbar neben dem Westportal der ehemaligen Pfarrkirche an einem kleinen Gebäude mit Pultdach, an dem deutlich wird, warum das Denkmal normalerweise nicht zugänglich ist. Trotz aufwendiger Renovierungsarbeiten in den letzten Jahren konnte das Hauptproblem, der sich leicht bewegende Hang, noch nicht gelöst werden.

Ute Denkenberger bei ihren Ausführungen in der Krypta
Ute Denkenberger bei ihren Ausführungen in der Krypta OS

Gerade weil Kriegerdenkmäler in den letzten Jahrzehnten massiver Kritik ausgesetzt waren, wurden Denkprozesse in Gang gesetzt, die einen zeitgemäßen Zugang zu solchen Bauwerken ermöglichen sollen. Fernab von fragwürdiger Heldenverehrung soll hier langfristig ein Gedenkort entstehen, der den Anforderungen des 21. Jahrhunderts mit seiner modernen Gedenkkultur gerecht werden soll. In diesem Zusammenhang ist es zudem wichtig, auch jungen Menschen den Sinn solcher Denkmäler nahezubringen.

Architektonisch wird das Bludenzer Kriegerdenkmal, nach Meinung vieler Fachleute die schönste Anlage dieser Art in Österreich, sowieso immer wieder gewürdigt. Daher bedarf es weiterer Anstrengungen, die Sanierung voranzutreiben. OS