Entdeckungstour zu den Spezialisten im Götzner Moos

Im Rahmen der Götzner Gespräche führten Bianca Burtscher und Anne Puchta ins Götzner Moos.
götzis Rund ein Viertel aller Moorflächen Österreichs befinden sich in Vorarlberg. Dieses Bundesland hat daher eine große Verantwortung den Mooren gegenüber. Als erstes renaturiertes Hochmoor Vorarlbergs erlangt das Moor in Götzis sogar international Aufmerksamkeit. Das umgangssprachlich Götzner Moos genannte Hochmoor erstreckt sich über eine Fläche von 26 Hektar und liegt auf 1100 m zwischen den Gipfeln Hohe Kugel, Hohe Lug und dem Bergdorf Fraxern.

Weil es in früherer Zeit zwecks landwirtschaftlicher Nutzung durch Entwässerungsgräben stark austrocknete und folglich CO2 freisetzte, entwickelte sich dort eine standortfremde Flora mit vielen Fichten. Die typische Moorvegetation wurde verdrängt. Intakte Moore dagegen beherbergen Spezialisten, die an die Nährstoffarmut und die sauren, nassen Böden angepasst sind. Gleichzeitig wirken sie als CO2-Speicher mit positiver Wirkung auf das Klima. Eine Renaturierung war zwangsläufig sinnvoll. Mag. Bianca Burtscher erläuterte das 2013 realisierte Projekt. Zunächst musste die entstandene Vegetation entfernt und ein Schacht ausgehoben werden. In diesen wurde eine Staumauer aus überwiegend Tannenholz eingesetzt und das Wasser am Abfließen gehindert. Schließlich kam die ursprüngliche Wiese wieder hin.

Diese Arbeiten zeigten Wirkung. Heute können seltene Pflanzen wie der rundblättrige Sonnentau und der Lungen-Enzian entdeckt werden. Während die fleischfressende Pflanze Insekten zersetzende Enzyme für ihre Ernährung nutzt, ist der Lungen-Enzian wichtig für das Überleben des Lungenenzian-Ameisen-Bläulings. Diese Spezialisten leben nur im Moor und sind vom Aussterben bedroht.
Interessant war auch die Information zur Entwicklung des Grundwasserspiegels. Dipl.-Biol. Anne Puchta führte mit Hilfe eines im Boden befindlichen Rohres ein Maßband ein und konnte so den Wasserstand messen.

“Selbst nach diesem trockenen Sommer ist im Moor noch Wasser drin”, erklärt die Expertin. Alle wippten auf dem weichen Gras, durchsetzt von Beerensträuchern, hin und her und spürten es förmlich unter ihren Füßen. Allerdings geht der Pegel zurück, gab Anne Puchta zu bedenken. Das sei eine dramatische Entwicklung für das Moor, trotz Renaturierung. Bianca Burtscher zeigte untermauernd die Messergebnisse über die Zeit anhand einer Grafik.

Für Otto Scheier ist der Wald das beste Erholungsgebiet. Obwohl er aus Götzis stammt, kannte er das Moor bisher nicht. Aber es freute ihn umso mehr, dass diese Art von Führungen angeboten wird.

Auch Sieglinde Haunsberger kannte die Route zum Moor noch nicht. Sie ist als “Naturmensch” gerne bei Führungen dieser Art dabei. Als Initiator der Götzner Gespräche war auch Wolfgang Berchtold mit seiner Frau Rita mit von der Partie.

Den Sonnentau auch noch im Herbst sehen zu können, erfreute Margarete Sonderegger. “Man findet solche Pflanzen eh kaum, weil sie so unscheinbar sind.”

Und dann gestand sie mit einem Augenzwinkern, dass sie durch ihre 10-jährige Enkelin zu mehr Umweltbewusstsein angehalten wird. Um nicht so oft von ihr gerügt zu werden, verzichte sie mittlerweile auf Plastik, so gut es eben geht. GIS