Musik gegen das Vergessen: Rankweil bringt Generationen zusammen

Heimat / 14.10.2026 • 08:25 Uhr
Markus Ellensohn (l.), Michael Müller und Barbara Bischof-Gantner freuen sich auf die Kooperation zwecks Demenzfreundliches Rankweil.
Markus Ellensohn (l.), Michael Müller und Barbara Bischof-Gantner freuen sich auf die Kooperation zwecks demenzfreundlichen Rankweils. Thomas Knobel

Junge Musiktalente sorgten im Haus Klosterreben für einen besonderen Auftakt.

Rankweil Wenn junge Menschen musizieren und ältere Menschen zuhören, entsteht mehr als ein Konzert. Im Haus Klosterreben in Rankweil wurde mit einem musikalischen Auftakt die Aktion “Demenzfreundliches Rankweil” neu belebt. Die Musikschule Rankweil und die Arbeitsgruppe Demenz wollen künftig mit regelmäßigen Mini-Konzerten Begegnungen schaffen, Erinnerungen wecken und Menschen mit Demenz stärker ins gesellschaftliche Leben einbinden.

Seit 16 Jahren ist Rankweil Modellgemeinde der Aktion Demenz Vorarlberg. Michael Müller vom Verein mitanand Rankweil erinnerte bei der Auftaktveranstaltung an deren zentrale Botschaft: Menschen mit Demenz sollen weiterhin am öffentlichen und sozialen Leben teilhaben können. Wie wichtig dabei Musik und Freundschaft sind, habe die Gruppe “Die Schurken” mit ihrem Stück “Vergissmeinnicht” im Alten Kino bereits eindrucksvoll gezeigt.

Mathilda, Judtih, Emilia, Sophia und Nelle musizierten für die Bewohner im Haus Klosterreben.
Mathilda, Judith, Emilia, Sophia und Nelle musizierten für die Bewohner im Haus Klosterreben. Thomas Knobel

Müller verwies auch auf den Psychiater Dr. Albert Lingg, der die Bedeutung musikalischer Angebote hervorgehoben hatte. Während Medikamente bislang nicht den erhofften Erfolg gebracht hätten, könnten Musikhören und Musizieren viel bewirken. Müller brachte seine Überzeugung auf den Punkt: “Musik ist ein wirkungsvolles Mittel zur Begleitung von Menschen mit Demenz, da sie Emotionen anspricht und Erinnerungen aktiviert, selbst wenn das Sprachzentrum bereits beeinträchtigt ist. Sie fördert das Wohlbefinden, reduziert Stress und Unruhe, stärkt soziale Teilhabe und kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.”

Geschwister Johanna und Daniela Acker spielten groß auf.
Geschwister Johanna und Daniela Acker spielten groß auf. Thomas Knobel

Aus dieser Überzeugung entstand die neue Zusammenarbeit. Im Auftrag der Arbeitsgruppe “Demenzfreundliches Rankweil” nahm Müller Kontakt mit Markus Ellensohn, dem Direktor der Musikschule Rankweil, auf. “Er war gleich begeistert und hat den Ball aufgenommen”, freute sich Müller. Damit war die Idee geboren, junge Musiker regelmäßig in Einrichtungen für ältere Menschen auftreten zu lassen.

Junge Musiker von der Musikschule Rankweil.
Junge Musiker von der Musikschule Rankweil. Thomas Knobel

Auch Ellensohn sieht darin eine besondere Chance. Die Schülerinnen und Schüler können ihr musikalisches Können in unterschiedlichen Ensembles vor Publikum erproben und gleichzeitig Erfahrungen im Umgang mit älteren Menschen sammeln. Zugleich werden sie für das Thema Demenz sensibilisiert, das angesichts der demografischen Entwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ellensohn sprach sich dafür aus, diese Begegnungen dauerhaft fortzusetzen.

Demenzfreundliches Rankweil mit Musik wurde neu ins Leben gerufen.
Demenzfreundliches Rankweil mit Musik wurde neu ins Leben gerufen. Thomas Knobel

Den musikalischen Auftakt unter dem Motto “Herbstfreude – Musik für mentale Gesundheit” gestalteten junge Talente der Musikschule Rankweil. Das Blockflötenensemble aus der Klasse von Judith Biermann mit Mathilda, Emilia, Sophia und Nelle brachte ebenso Musik ins Foyer des Hauses Klosterreben wie das Geschwisterduo Johanna und Daniela Acker, das auf dem Horn musizierte.

Auch Barbara Bischof-Gantner, Pflegeleiterin im Haus Klosterreben, war in die Veranstaltung eingebunden. Weitere musikalische Begegnungen sind bereits geplant: Sowohl im Haus Klosterreben als auch bei der Mohi-Seniorennachmittagsbetreuung im Fuchshaus sollen regelmäßig Mini-Konzerte stattfinden. VN-TK