Ein Ingenieur prägt Bludenz bis heute

Kostenlose Workshops im Stadtlabor vermitteln Schulklassen die Geschichte Alois Negrellis und seine Spuren im Stadtbild.
Bludenz Im Stadtlabor Bludenz (Werdenbergerstraße 10, Würbel-Areal) wurde bei der Langen Nacht der Museen eine Kabinettausstellung über Alois Negrelli eröffnet. Der 1799 in Primiero (heute: Trentino) geborene Ingenieur zählt zu den wichtigsten Technikpionieren des 19. Jahrhunderts. Beruflich führte ihn sein Weg 1824 nach Wien. Zwei Jahre später erhielt er eine Stelle als Adjunkt des Kreisingenieurs in Bregenz. Die Kontakte zur Schweizer Eidgenossenschaft hatten zur Folge, dass er 1832 im Kanton St. Gallen als Wasserbau- und Straßeninspektor beschäftigt wurde. Er befasste sich intensiv mit der Eisenbahn als neuem Verkehrsmittel und studierte die neuen Bahnen in Frankreich, England, Belgien und Deutschland. Das erste Schweizer Eisenbahnnetz beruht ebenso wie viele öffentliche Bauten auf seinen Planungsarbeiten. Das bekannteste von ihm entwickelte Projekt war der Suezkanal, dessen Umsetzung er wegen seines Todes 1858 allerdings nicht mehr erleben konnte. In den offiziellen Biografien wird seine Zeit in Vorarlberg meist nur sehr knapp beschrieben. Dabei hat Negrelli im Land vielfältige Spuren hinterlassen, die in vielen Fällen bis heute sichtbar sind.
Spurensuche für junge Lernende
Ein Anliegen der Initiative des Stadtlabors Bludenz ist es, die Spuren Negrellis in Bludenz aufzuzeigen, nachdem das Stadtbild bis heute von seinen Planungen der Zeit um 1830 geprägt ist. Die von ihm projektierte Straße von Bludenz nach Feldkirch wurde nur zu einem kleinen Teil umgesetzt, nämlich von Bludenz zur Tschalenga. In diesem Zusammenhang entstand die heutige Werdenbergerstraße Richtung Postplatz. Auch ein tragischer Teil der Familiengeschichte ist mit Bludenz verbunden. Am 31. Mai 1831 starb seine Tochter Maria Elisabeth im Alter von einem halben Jahr auf der Durchreise an “Abzehrung”. Für Schulklassen und Gruppen können altersgemäß abgestimmte Workshops (ein- oder zweistündig) angeboten werden.

Das Programm umfasst eine Exkursion zum Bereich des Josef-Wolf-Platzes, einen Besuch der Ausstellung im Stadtlabor und eine kreative Arbeit zum Thema. Auf diese Art und Weise wird ein Stück lokaler Geschichte in komprimierter Form vermittelt. Die Workshops werden kostenlos angeboten und sind bis Anfang Dezember möglich. Interessierte können sich beim Stadtarchiv Bludenz melden. CHT