“Man muss einfach Vertrauen in die eigene Sache haben” – Lena Mathis und ihr Weg in die Unabhängigkeit

Von der FH zur Chefin: Lena Mathis über Motion Design, den Mut zur Gründung und die Hürden der Selbstständigkeit.
Von Jasmina Erdic
Dornbirn “Das gibt mir selbst auch viel, weil ich mir das vielleicht auch gewünscht hätte.” Mit diesen Worten beschreibt die 31-jährige Lena Mathis ihren jüngsten Vortrag an der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn. Das Thema: Der Sprung in die Selbstständigkeit. Für Lena schloss sich damit ein Kreis, denn ihre eigene Karriere nahm genau hier, im Studiengang InterMedia, ihren Anfang.
Die Entdeckung einer Leidenschaft
Nach einem Praktikum und einer anschließenden studienbegleitenden Anstellung bei Zero Division in Lustenau absolvierte Lena ihren Master. Während dieser Zeit kristallisierte sich ihre Begeisterung für Animation heraus. Den entscheidenden Impuls lieferte jedoch ein Auslandssemester in den Niederlanden. Dort kam sie erstmals intensiv mit Motion Graphics in Berührung – jener Form der Animation, die Texte und Bilder für Social Media und Werbung zum Leben erweckt.

Die Liebe zum Motion Design entflammte schnell. Für Lena war es die perfekte Symbiose aus Grafikdesign, Typografie und Videoschnitt: “Das ist einfach genau die Schnittstelle dazwischen.”
Der spontane Schritt zum eigenen Studio
Der Weg in die Eigenständigkeit startete eher spontan. Lena erinnert sich noch genau an den Tag im Garten ihres Vaters: “Wir haben uns ausgerechnet, wie viel ich in der Stunde verdienen muss, damit ich einen ‘g’hörigen’ Lohn bekomme. Das war genau der Punkt, wo ich mir dachte, ich glaube, ich mache das jetzt.”
Seit zwei Jahren ist Lena Mathis selbstständig. Ihr Studio ist ihr Herzprojekt, was auch der Name verdeutlicht: “Allora” – ein italienischer Begriff, der übersetzt “also” bedeutet und oft am Satzanfang steht. Lena erklärt dazu: “Es ist der Start von einer Geschichte, die wir mit unseren Projekten erzählen möchten.”

Trotz anfänglich niedriger Erwartungen überwogen die Chancen die Risiken: “Generell von der Selbstständigkeit erwartet habe ich mir natürlich Flexibilität, Freiheit und der eigene Chef zu sein. Mein Studio ist wie ein Projekt, das ich immer größer machen möchte.”
Hürden und Hilfestellungen
Doch die Freiheit bringt Herausforderungen mit sich. “Die Selbstdisziplin, eine Work-Life-Balance einzuhalten, ist schwierig. Ich könnte einfach immer arbeiten”, gesteht sie. Auch das Setzen von Grenzen musste sie erst lernen: “Jedes Nein zu etwas ist auch ein Ja zu etwas anderem. Das sind Dinge, die einem anfangs schwerfallen.”

Rückhalt fand sie in ihrem Netzwerk. Vor ihrer Gründung arbeitete sie in der Gelben Fabrik, wo sie viele kreative Köpfe und andere Selbstständige traf. Zudem lobt sie das österreichische System: “Es gibt so tolle Förderungen, die man in Anspruch nehmen kann.”
Erfahrung als Motivation
Heute gibt Lena ihr Wissen gerne weiter. Als Teil der Fachgruppe der Wirtschaftskammer kehrte sie als Gastrednerin an die FH Vorarlberg zurück. Das Interesse der Studierenden war groß: “Die haben mich dann auch wirklich mit Fragen gelöchert und es war richtig cool.”
Die Hilfe für andere ist ihr ein persönliches Anliegen: “Ich finde es richtig gut, wenn ich meine Erfahrungen weitergeben kann und dadurch jemand anderem helfen kann, der vielleicht genau vor einem Problem steht, das ich gehabt habe.”

Für die Zukunft wünscht sich Lena weiterhin spannende Projekte, die Zusammenarbeit mit kreativen Köpfen und ein wachsendes Team für ihr Studio. Ihre Botschaft an angehende Gründer ist klar: “Man muss einfach ein bisschen mehr Vertrauen in die eigene Sache haben.”