Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Jetzt ist gar alles anders

Kultur / 02.11.2012 • 21:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Jetzt haben sich die Ereignisse doch noch überschlagen. Denn eigentlich war für diesen Platz ein anderer Kommentar schon geschrieben, einer, der von einem zwar hoch gefährdeten, aber doch noch amtierenden Landesrat Siegi Stemer ausging. Vor einer Woche war Martin Keßler, der Stemer-Intimus und ehemalige Leiter des Vorarlberger Olympia-Modells, zurückgetreten. Gestern Nachmittag dann auch Martin Schäffl, der Leiter des Sportservice, der den ganzen Fall von Ungereimtheiten und einer Schwarzgeldkassa beim Sportservice ins Rollen gebracht hatte. Damit wurde es eng für Siegi Stemer. Wie immer das Gespräch zwischen Landeshauptmann Markus Wallner und Stemer am späten Nachmittag verlaufen sein mag – Stemer erklärte daraufhin seinen Rücktritt. Man geht wohl nicht ganz fehl in der Annahme, dass ihn Wallner eher dazu bewogen als zurückgehalten hat.

Siegi Stemer ist letztlich über die Probleme beim Sportservice gestolpert. Vor allem, dass er in einem Interview die Unwahrheit gesagt hat, kostete ihn seinen Job. Unproblematisch ist aber auch in früherer Zeit nicht alles in seinem Ressort verlaufen. Wenn man etwa an die Schule denkt, so fällt auf, dass es ein schon lange schwelendes Problem mit Migrantenkindern gibt, denen schlichtweg zu wenig Sprachförderung gegeben wird. Man erinnert sich auch, dass es Stemer war, der bei der PISA-Studie gefordert hat, dass es eine eigene Auswertung für die Vorarlberger Schüler geben muss, weil unsere Schüler besser seien als das Testergebnis. Die Folge: Vorarlbergs Schüler waren noch schlechter als der österreichische Schnitt.

Ganz so, wie man es sich gewünscht hätte, lief es auch im Sport nicht. In einer Analyse wurde vor Kurzem aufgelistet, wo die Probleme liegen: Vier von fünf Vorarlberger Sportlern, die bei Olympia in London dabei waren, hätten „mit dem heimischen Sportsystem bestenfalls am äußersten Rande etwas zu tun“. Und überhaupt: „Vorarlberg ist nun schon bei sieben aufeinander folgenden Olympischen Spielen medaillenlos – so eine lange Durststrecke gab es zuvor nie.“ Erfolge sehen anders aus.

Wie immer: Stemer hat keinen schönen Abgang. Er hätte sich natürlich auch einen anderen gewünscht, vielleicht sogar einen anderen verdient. So aber ist Politik, sie blickt nicht zurück, sie schaut nach vorne. Und fragt: Wer wird der neue Landesrat? Das interessiert jetzt mehr als die Schmerzen eines Alt-Politikers. Auch wenn er das erst seit heute ist.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.