Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Arme werden immer ärmer

Kultur / 23.11.2012 • 19:56 Uhr

Der Sozialbericht hat es wieder einmal deutlich gezeigt: Die Armut in Österreich nimmt stetig zu, auf der anderen Seite werden die Reichen immer reicher. Das zeigt sich etwa darin, dass nur fünf Prozent über fast die Hälfte des gesamten Volksvermögens verfügen. Andererseits teilen sich die ärmere Hälfte aller Haushalte in Österreich gerade einmal vier Prozent des Volksvermögens.

Deshalb können die am unteren Ende der Skala im Winter ihre Wohnungen nicht mehr warm halten und sich nicht mehr ausreichend gesunde Nahrung leisten. Zu teuer sind ihnen auch Kleidung oder Arztbesuche. Im Jahr 2012 waren rund eine halbe Million Menschen in Österreich davon betroffen. Um unglaubliche 140.000 Menschen mehr als fünf Jahre zuvor, womit sich zeigt, dass die Schere immer weiter auseinanderklafft. Für Frauen – vor allem Alleinerzieherinnen – liegt die Gefährdung von Armut übrigens etwa ein Drittel höher als bei Männern. Und das passiert in einem Land, das am 15. Platz der reichsten Länder der Welt liegt. Und wenn jemand glaubt, das gelte nur für das „übrige Österreich“, dann sei ihm die Lektüre des Sozialberichts der Caritas Vorarlberg empfohlen, der nachweist, dass bei uns nichts besser ist.

Der von der Politik gern gebrachte Hinweis, dass es in anderen Ländern, vor allem jenen im Süden Europas, bei denen die Krise voll zugeschlagen hat, noch viel schlimmer sei, gilt nicht. Denn manches, was sich in diesem tragischen Sozialbericht zeigt, ließe sich natürlich durch die Politik beeinflussen. Beispielsweise durch höhere Besteuerung von Vermögen und geringere Besteuerung von Arbeit, um nur einen Hinweis zu bringen. Besonders unverständlich ist diese Entwicklung, da in Österreich seit fünf Jahren eine große Koalition am Werk ist, bei der die Sozialdemokraten an der Spitze stehen. Und trotzdem bringen beide, SPÖ und ÖVP, nichts zustande, was den Trend zu immer größerer Armut in diesem Land einbremsen könnte. Und natürlich hat auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer bei der Vorstellung des Sozialberichtes darauf verwiesen, dass Österreich im EU-Vergleich „relativ gut“ dastehe. Er möge dieses „relativ gut“ doch einmal den 500.000 in Armut lebenden Menschen in Österreich erklären. Sie werden ihm vermutlich die richtige Antwort geben. Und seinen Regierungskollegen noch dazu.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.