Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Beim ORF gärt es heftig

Kultur / 30.11.2012 • 19:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Was Anfang der Woche schon die Runde machte, wurde gestern offiziell: Der Kulturchef des ORF Vorarlberg, Manfred Welte, hat gekündigt, er verlässt das Unternehmen mit Ende Jahr und wechselt zum Vorarlberger Landesmuseum. Dort wird er für den Veranstaltungsbereich zuständig sein. Was für das Museum ein Glücksfall sein könnte, das ist für das Landesstudio in Dornbirn ein gröberes Problem. Denn damit sind alle Führungskräfte, die noch vor einem Jahr in ihrer Funktion waren, ausgewechselt oder sie haben gekündigt.

Bekanntlich gab es beim ORF Vorarlberg mit Jahresbeginn einen Wechsel an der Spitze. Völlig überraschend folgte auf Langzeitdirektor Wolfgang Burtscher Markus Klement. Niemand hatte im Nachfolgespiel mit ihm gerechnet, da er von allen Bewerber(inne)n der am wenigsten qualifizierte war. Der vom Land nominierte Vorarlberger Stiftungsrat Edelbert Meusburger präsentierte ihn aber als seinen Kandidaten.

Meusburger war es auch, der Klement Generaldirektor Alexander Wrabetz (der dafür die Stimme von Meusburger bei der GD-Wahl erhielt) und dem damaligen Landeshauptmann Herbert Sausgruber schmackhaft machte. Für Vorarlberg war das eine „runde schwarze Sache“. Klement begann – jeweils in Absprache mit Meusburger – schnell seine Vorstellungen durchzusetzen. Kein Stein blieb auf dem anderen. In einem Gespräch meinte Meusburger zu mir: „Wir machen aus diesem Studio ein Schmuckkästle!“

Mein Hinweis, dass er als Stiftungsrat, also als Aufsichtsorgan, nicht in den Betrieb einzugreifen habe, blieb unbeantwortet. Im Studio allerdings trat er regelmäßig zu Besprechungen mit dem Landesdirektor in Erscheinung. Die Situation im Hause veränderte sich, vor allem das Betriebsklima, so berichten viele ORFler seit langer Zeit, sei mehr als nur unangenehm geworden.

Führende Mitarbeiter(innen) wurden – nicht immer zum Vorteil – durch andere ersetzt, ein neues Organigramm wurde – auch nicht zum Vorteil – eingeführt. Bis es manchen zu viel wurde. So verabschiedet sich mit heutigem Tag der Leiter des Marketings, Thomas Pachole, und Ende Jahr der Leiter der Kulturabteilung, Manfred Welte. Wenn man weiß, dass Selbstkündigungen beim ORF Seltenheitswert haben, dann weiß man, was das bedeutet. Wenn man zudem weiß, was beide geleistet haben, dann sieht man für den ORF schwarz. Und das nicht nur politisch.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.