Die ganz Klugen sind wieder da
Damit hatte man rechnen können: Kaum wird mit dem Bau des neuen Kornmarktplatzes in Bregenz begonnen, melden sich wieder die ganz Klugen, die schon immer gewusst haben, dass das alles in die Hosen geht, dass dieser Platz nicht nur nicht nutzbar, sondern vor allem hässlich werden wird. Und noch viele andere Dinge. In Bregenz ist alles, wie es immer war. Immer kommt jemand (meistens sind es bei allen Anlässen die Gleichen) und findet ein Haar in der Suppe. Das war so beim Platz vor dem Festspielhaus, das war so bei der Neugestaltung des Hafens, und nun wiederholt sich das bei der neuen Gestaltung des Kornmarktplatzes. Einmal fehlt den ewigen Kritisierern dies, einmal das, immer dabei aber sind die berühmten vier Bregenzer „B“: Bömmle, Blümle, Brünnele, Bänkle.
Beim Kornmarktplatz hat man mit der Neuplanung wahrhaft nicht aus der Hüfte geschossen. In den vergangenen Jahrzehnten gab es schon zwei Architekturwettbewerbe, die alle wieder in der Schublade verschwunden sind. Das zeigt, dass man sich immer klar war, dass hier etwas geschehen muss, dass dieser von Straße und Parkplätzen erfüllt Raum gar kein Platz ist. Aber vielleicht war es gut, dass man die damaligen Pläne nicht verwirklicht hat, denn jetzt erst kann man das neue Landesmuseum und den neuen Kornmarktplatz aufeinander abstimmen.
Das Ergebnis könnte höchst erfreulich sein, denn erstmals bekommt Bregenz hier tatsächlich eine Art Mittelpunkt, einen wirklichen Platz, in jedem Fall ein kulturelles Zentrum. Dass der Bodenbelag ähnlich wie jener vor dem Festspielhaus und jener am Hafen sein wird, ist nur folgerichtig, denn damit setzen sich diese Plätze, an denen auch Kultur geboten wird, von den anderen ab. Besonders wichtig ist, dass es am Kornmarkt in Zukunft keine Barrieren geben wird, keine Gehsteige, keine Randsteine, vor allem: keine Autos.
Einziger Wermutstropfen ist, dass der Stadtbus über den Platz fahren wird. Aber schließlich soll man die verschiedenen Kultureinrichtungen am Kornmarktplatz auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Also: All das, neuer Platz, neues, prächtiges Museum, Theater und Kunsthaus sollten durch diese städtebauliche Maßnahme enger zusammenwachsen, im besten Fall eine Einheit bilden. Und das wäre doch schön. Wir sollten also weniger nörgeln und uns mehr freuen.
walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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