Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Die Kunst fehlt am Kunstplatz

Kultur / 22.03.2013 • 19:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bregenz verändert sich. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen wurden diese Woche der neue Kornmarktplatz und das neue Landesmuseum vorgestellt. Beide werden dazu beitragen, dass die Landeshauptstadt eine neues Gesicht bekommt. Denn der Kornmarktplatz war zwar immer schon Kernpunkt, aber nie wirklich nutzbarer zentraler Platz der Stadt. Ob sich das nach der Neugestaltung ändert, wird sich zeigen. Denn mit Großveranstaltungen wird sich nicht viel spielen auf dem neu gestalteten Gelände, da stehen die über den Platz verteilten großen Bauminseln, zum Teil um die ohnehin bestehenden Bäume gruppiert, im Weg. Das dürfte ein Ausfluss des Bürgerverfahrens sein, das immer wieder gleiche Wünsche und damit Ergebnisse bringt. Ungeachtet solcher Einschränkung könnte der neue Kornmarkt eine feine Sache werden, präsentiert er sich doch schon aufgrund seines hellen Asphalts als Kulturareal.

Dieses helle Band zieht sich dann vom Festspielhaus über den Hafen bis zum Kornmarkt und weiter, entlang an Museum, Theater und Kunsthaus bis zur Nepomukkapelle. Ein deutliches Zeichen, dass sich Bregenz als Kulturstadt bekennt, wenn auch die meisten Einrichtungen vom Land getragen werden. Eine Einschränkung allerdings auch hier: Wenn man schon so einen Platz vor so vielen Kunststätten gestaltet, dann sollte doch auch die Kunst am Platz vertreten sein. Ist sie aber nicht. An Kunst im öffentlichen Raum wurde nicht gedacht – beim Land nicht und bei der Stadt nicht. Und das ist nun tatsächlich nicht mehr nur schade, sondern schlichtweg unverständlich.

Viel Kunst wird es dafür im Museum geben, wenn auch nicht so angeordnet, wie man sich das gemeinhin vorstellt. Direktor Andreas Rudigier und seine Mannschaft stellten das neue Museumskonzept vor. Verschiedene Räume zu verschiedenen Themen, nicht mehr nur historische Schaustücke, sondern auch ein Beitrag zur Frage der Eigendefinition des Vorarlbergers. Die Themen werden nicht mehr, wie meist in nur historisch ausgerichteten Landesmuseen, im 19. Jahrhundert enden, sie greifen vielmehr direkt auch in unsere Zeit. Und sie machen manches erfahrbar, das wir mitunter kaum wahrnehmen, etwa das Land als akustisches Erlebnis. Das Landesmuseum sollte damit zu einer besonderen Ergänzung an diesem Platz der Kunst werden – für die Bewohner ebenso wie für die Touristen.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.