Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wo viele Bäume weichen müssen

Kultur / 10.05.2013 • 20:28 Uhr

Viele Themen hätte es heute gegeben, zu denen eine Äußerung möglich, ja fast zwingend gewesen wäre. Da war einmal am Donnerstag die Ernennung von Benno Elbs zum neuen Landesbischof von Vorarlberg. Eine Entscheidung, die viele Landsleute freundlicher nach Rom blicken lässt, manche von ihnen werden damit auch die Hoffnung verbinden, dass der Vatikan in Zukunft vielleicht mehr für seine als gegen seine Schäfchen entscheiden wird. Dann war am Mittwoch die offizielle Wahl des neuen Kulturlandesrates Harald Sonderegger, der zumindest von der Opposition im Vorarlberger Landtag nicht gerade mit offenen Armen empfangen, deshalb auch nur von der eigenen Fraktion gewählt wurde. Schließlich wurde gestern der okkerfarbene Kornmarktplatz in Bregenz eröffnet. Eine höchst erfreuliche Sache für die Landeshauptstadt, die damit erstmals seit Jahrzehnten wieder so etwas wie ein Zentrum hat.

Die umfangreichen Eröffnungsfeierlichkeiten waren nicht gerade vom Wetter gesegnet, dafür haben die vielen neuen Bäume und Sträucher am Platz genügend Wasser bekommen. Vieles also, über das man hätte schreiben können, über das hier wohl auch noch manches kommen wird.

Trotzdem gilt meine Aufmerksamkeit heute einem in solchem Vergleich vielleicht kleinen, nichtsdestotrotz wichtigen Ereignis: Über dem Ortsteil Knie in Dornbirn sollen nämlich 12.000 Quadratmeter Wald gerodet werden. Der Wald, Naherholungsgebiet für die Menschen und Spielplatz für die Jungen, soll einer Deponie für Bauaushubmaterial weichen. Und das klingt natürlich nicht gut: Viel Dreck im Tausch gegen Wald, viel Lärm und Transporte im Tausch gegen Ruhe und Erholung. Kein Wunder, dass die Menschen am Knie hier nicht tatenlos zuschauen, sondern sich wehren wollen.

Auch ohne genaue Kenntnis der Umstände kann man den Unmut verstehen, denn dass man sich ausgerechnet einen intakten Wald aussuchen muss, der einer Deponie weichen soll, das scheint nicht gut nachvollziehbar. Auch dann nicht, wenn man weiß, dass hier kein Giftmüll abgelagert wird, auch dann nicht, wenn man die Zusagen der Behörde kennt, dass hier später wieder aufgeforstet wird. Wer aber soll das noch erleben?, fragt man sich am Knie. Und erhebt Protest. Und das ist doch eigentlich schön, wenn die Menschen nicht gegen etwas kämpfen, sondern für etwas. Für einen Wald. Für ihren Wald.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.