Nicht ganz störungsfreie Idylle

Kultur / 07.07.2013 • 17:13 Uhr
Die georgische Mezzosopranistin Ketevan Kemoklidze demonstrierte ihr Können mit enormer Bühnenpräsenz. Foto: Ju
Die georgische Mezzosopranistin Ketevan Kemoklidze demonstrierte ihr Können mit enormer Bühnenpräsenz. Foto: Ju

„Arpeggione“ prunkte beim Open Air mit einer glänzenden Opern­stimme.

Hohenems. Der Hattrick ist geschafft! Zum dritten Mal en suite hatte „Arpeggione“ am Samstag Wetterglück mit seinem Open Air im ausverkauften Palasthof, das wie immer auch zum gesellschaftlichen Event wurde. Störungen dieser naturhaften Idylle gab es dafür von anderer Seite.

Zunächst aber präsentiert sich ein aufgeräumtes, mit über 30 Musikern symphonisch aufgefettetes Kammerorchester an der Stirnseite des prächtigen Renaissance-Palasthofes, wo zu früheren Glanzzeiten Haydn-Opern gespielt wurden und prominente Schubertiade-Künstler auftraten. Auch „Arpeggione“ zeigt sich im ersten Teil überaus spielfreudig und motiviert, leichtgängiges Repertoire aus populären Opern ist gerade die rechte Programmierung für einen lauen Sommerabend. Mit dem aus Palermo stammenden gewichtigen Maestro Onofrio Claudio Gallina steht auch der rechte Mann dafür am Pult. Mit seiner Opernerfahrung lässt er in kleinen Bewegungen die Musik wie Rossinis turbulente „Barbier“-Ouvertüre aus sich selbst heraus entwickeln, mit prächtigen Soli von Oboe, Horn, Klarinette und Fagott, und nur die ungewohnte Akustik spielt den Musikern im Zusammenspiel einen Streich.

Enorme Bühnenpräsenz

Zum Glanzpunkt des Konzerts wird die georgische Mezzosopranistin Ketevan Kemoklidze, eine tolle Erscheinung, die mit wunderbar ausgereifter und kontrollierter Stimme und enormer Bühnenpräsenz überlegen ihr Können demonstriert. In vier Opernperlen des Mezzofaches wird sie dem Thema „Maskenspiele“ imponierend gerecht, vermag stimmlich, aber auch mit schauspielerischem Können im Ausdruck und in kleinen Gesten jeder Rolle die eigene typische Atmosphäre und Färbung zu vermitteln.

Nach den beiden Hosenrollen des Sesto in Mozarts „Titus“ und des Orlovsky in Strauss’ „Fledermaus“ macht sie die koloraturengespickte Paradepartie in Rossinis „Cenerentola“ zum hinreißenden Ereignis. Da kommt sogar beim Publikum im Hof erstmals Stimmung auf, die sich zum Jubel verdichtet, als die Sängerin in Bizets „Habanera“ zur glutäugig liebeshungrigen „Carmen“ mutiert. Weit weniger glorios gestaltet sich der zweite Teil.

Kein Stück für ein Open Air

Beethovens „Siebente“ ist, auch wenn sie oft als die „Apotheose des Tanzes“ bezeichnet wird, kein Stück für ein Open Air. Beethoven bleibt nun einmal ernst, auch wenn er heiter sein will. Eine frühe Schubert-Symphonie etwa hätte man sich am Gründungsort der Schubertiade weit besser vorstellen können. Dazu kommt, dass der so sehr opernerfahrene Dirigent im symphonischen Bereich kläglich versagt und mit dem Orchester eine total uninspirierte, im Tempo oft überzogene und bloß routinierte Version hinschludert. Ausgerechnet im berühmten zweiten, leisen Satz vermiesen dazu akustische Beeinträchtigungen von außen durch ein nahes Blasmusikkonzert der Bürgermusik die letzte Stimmung, obwohl das von Organisator Josef Kloiber anders abgesprochen war. Trost gab es dafür beim Buffet „Meet and greet“.

Nächstes „Arpeggione“-Konzert: 21. September, 20 Uhr, Rittersaal Palast Hohenems, „Cellissimo“ (Alexander Rudin, Dirigent und Violoncello)