Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Natter hat nur wenig erreicht

Kultur / 18.10.2013 • 19:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ein Vergleich vor Gericht ist immer ein Kompromiss, es müssen immer beide Parteien nachgeben. Deshalb sollte man bei einem Vergleich keine Gewinner suchen, sondern froh sein, dass man sich ohne weitere Prozessführung einigen konnte. So auch im gerichtlichen Urheberrechtsstreit zwischen dem ehemaligen Museumsdirektor Tobias Natter und dem Vorarlberger Landesmuseum, vertreten durch die Kulturhäuser-Gesellschaft. In manchen Medien wurde nun berichtet, dass sich „Tobias Natter im Urheberrechtsstreit durchgesetzt hat“. Dem ist allerdings nicht so.

Am einfachsten lässt sich das feststellen, indem man das Klagsbegehren von Natter dem gegenüberstellt, was der vor Gericht geschlossene Vergleich festhält. Natters erste Forderung war, im „Sammelwerk“, gemeint ist die Schausammlung „buchstäblich vorarlberg“ im Museum, als „alleiniger Urheber“ genannt zu werden. Dem kommt der Vergleich nicht nach, es wird lediglich das bisherige Impressum in der Form geändert, als Natter für „Idee und Konzept“ genannt wird, in der zweiten Zeile dann aber unter „Konzepterweiterung und Umsetzung“ 17 Personen, darunter auch Direktor Andreas Rudigier, genannt werden. Natter scheint somit nicht, wie von ihm gefordert, als alleiniger Urheber von „buchstäblich vorarlberg“ auf, im Gegenteil, es wird konkret auf die Mitarbeit von vielen Personen hingewiesen.

Eine weitere Forderung von Natter war, dass Direktor Rudigier nicht mehr als Urheber oder Miturheber genannt werden darf. Das wurde durch den Vergleich – siehe oben – nicht erfüllt. Schließlich wollte Tobias Natter erreichen, dass der Urteilsspruch auf Kosten des Museums in den Vorarlberger Zeitungen und im „Standard“ „fettumrandet mit Fettdrucküberschrift“ veröffentlicht wird. Dem wurde, da kein Schuldspruch vorliegt, nicht stattgegeben. Ebenso nicht der Aufforderung, dass der Urteilsspruch auf der Homepage des Museums veröffentlicht werden muss.

Zusammengefasst: Tobias Natter hat fast nichts von dem erreicht, was er gefordert hatte. Eine kleine Änderung des Impressums, sonst nichts. Die Meldung, dass sich Natter vor Gericht „durchgesetzt hat“, ist also einigermaßen verwegen. Bei der Kulturhäuser-Gesellschaft sieht man „keinen Sieger, aber endlich ein Ende des Konflikts“. Und das ist, auch wenn man sich juristische Klarheit durch ein Urteil gewünscht hätte, vielleicht doch sinnvoll.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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