Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

ORF: Nachrichten aus der Anstalt

Kultur / 10.01.2014 • 20:25 Uhr

Zuerst die gute Nachricht. Ab sofort ist Evelyn Fink-Mennel, großartige Musikantin und Musikwissenschafterin, zwei Mal pro Woche bei Radio Vorarlberg zu hören. Am Donnerstagabend moderiert sie eine Live-Sendung, immer am Montag bringt sie in „Kultur nach 6“ Themen aus dem Musikbereich, schließlich wird sie auch einschlägige Veranstaltungen moderieren. Das ist höchst erfreulich.

Damit zu den schlechten Nachrichten. Seit dieser Woche erreichen viele Mails und Telefonate das Landesstudio Vorarlberg, in denen Hörerinnen und Hörer gegen die von Landesdirektor Markus Klement verfügte Einstellung von „Einfach klassisch“ protestieren. Seit Jahrzehnten brachte Radio Vorarlberg am Sonntagvormittag diese Sendung, in der Bettina Barnay so etwas wie eine Tageseinstimmung mit leichter klassischer Musik brachte. Nicht zuletzt war das auch eine Art Puffer zwischen dem doch sehr flachen Programm der Fläche und dem um zehn Uhr folgenden Gottesdienst. Das ist nun abgeschafft, „Einfach klassisch“ muss der neuen Fläche weichen, denn Klement möchte mit seinem „neuen Sonntag“, wie er sagt, „noch näher bei den Menschen sein“.

Direktor Klement entsorgt damit die klassische Musik aus dem Sonntagsprogramm, wie er vor einiger Zeit die Bibliothek des Landesstudios eigenhändig in den Container entsorgt hatte. Beides scheint ihm nicht besonders wichtig zu sein. Nachdem er damals in der Bibliothek-Sache nach Wien zitiert wurde, hatte er eingeräumt, eine neue Bibliothek aufzubauen. Dieses Versprechen ist bis heute nicht eingelöst. Dafür gibt es im Landesstudio muntere gegenseitige Bespitzelung. War bisher nur bekannt, dass solches Verhalten unter den Mitarbeitern gefördert wurde, so hat sich nun gezeigt, dass auch der Nachtportier angehalten wurde, für die Direktion Fotos von Schreibtischen von Mitarbeitern zu machen. Und schließlich, um das Fass voll zu machen, wurde persönlich adressierte Post an Redakteure von der Direktion geöffnet. Damit wurde nicht nur das Briefgeheimnis, sondern auch noch der besondere Schutz, unter dem Informanten von Journalisten stehen, verletzt. Dass solche Vorfälle nicht geeignet sind, das Klima im Landesstudio zu fördern, ist einleuchtend.

Wohl deshalb hat es in der bisher zweijährigen Amtszeit von Direktor Markus Klement eine Personal-Fluktuation wie noch nie gegeben.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.