Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Neue Podien des Landestheaters

Kultur / 24.01.2014 • 20:00 Uhr

Bei der Premierenfeier von Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti“ – die mich, im Gegensatz zu anderen Besuchern, wenig überzeugte – wunderte man sich noch über die Aufbauten im Theaterfoyer. Eingezogene, vergoldete Wände veränderten den Raum, in der Mitte stand eine über Stufen erhöhte kleine Bühne mit drei Mikrofonen im Zentrum. Nur jene, die sich im Spielplan des Theaters schon informiert hatten, konnten ahnen, was diese Inszenierung sollte: Es war bereits das Bühnenbild zu „Sisters of Swing“, einem Musical, wenn man den Begriff für diese Inszenierung wählen darf, das am vergangenen Sonntag Premiere hatte. Erstmals eine Aufführung im Foyer des Theaters, in dem sonst die Pausengetränke eingenommen werden, manchmal auch Autorenlesungen stattfinden.

Das neue Ambiente tat durchaus wohl. Die Bühne im Zentrum, um die sich das Publikum gruppierte, bot eine direkte Begegnung mit den drei großartigen Schauspielerinnen, die sich auch als hervorragende Sängerinnen erwiesen: Katrin Hauptmann, Barbara Camenzind und Tamara Stern gaben die mit vielen bekannten Liedern angereicherte Geschichte der Andrews Sisters. Dieses Trio hatte in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Amerika Musikgeschichte geschrieben, einen Millionenseller nach dem anderen auf den Markt gebracht, darunter so bekannte Lieder wie „Bei mir bist du schön“, insgesamt 90 Millionen Schallplatten verkauft. Es ist eine spannende Geschichte und eine unterhaltsame Produktion, die das Landestheater (in noch mehreren Aufführungen im heurigen Frühjahr) bringt.

Bemerkenswert ist das Bemühen von Intendant Ale­xander Kubelka, immer wieder neue Spielstätten für das Theater zu finden. Da waren schon so ungewöhnliche Orte wie der Bregenzer Molo, das im See stehende Kaffeehaus vor dem Lochauer Kaiserstrand, die Fassade des neuen Landesmuseums oder auch das Bregenzer Marienberg Schauplatz von zum Teil hervorragenden Aufführungen. Nun kommt auch noch das Theaterfoyer dazu – und das, wie Kubelka nach der Premiere meinte, sicher nicht zum letzten Mal. Solche örtlichen Wechsel bringen Würze in den Spielplan, neue „Bühnen“ schaffen Veränderung – beim Theater ebenso wie bei den Besuchern. Die Zuschauer scheinen dafür bereit, diskutieren heftig, folgen dem Theater aber eher dankbar zu neuen Plätzen.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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