Bregenz im Festspiel-Stau
Über lange Jahrzehnte war klar: Kurz vor der Festspielzeit beginnt in Bregenz der große Stau, da stehen die Autos von der Klause bis ins Vorkloster und von Lauterach bis Lochau. Dann aber kam die große Lösung: Der Pfändertunnel wurde gebaut – und in der Stadt herrschte Ruhe. Aber nicht sehr lange. Da staute es sich wieder. Mehr noch als früher. So plante man die zweite Röhre, die 2012 dem Verkehr übergeben wurde. Allerdings wurde gleichzeitig die alte Röhre gesperrt, womit sich vorderhand nichts änderte. Aber in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 2013 wurden beide Tunnelröhren geöffnet – und das Wunder geschah. Man konnte wieder ganz normal durch die Stadt fahren. Aber nur kurze Zeit.
Es war ein komisches Gefühl, diese Stadt ohne Verkehrschaos, ohne ewiges Stehen und Fahren. Schließlich hatte man sich lange an diesen Zustand gewohnt. So sah das wohl auch ein findiger Beamte, der irgendwo auf einem Sessel der Stadt oder des Landes sitzt und für den Verkehr zuständig ist. Und so versuchte er, den Bregenzern und ihren Gästen das alte Stau-Gefühl wieder zu geben. Lange rechnete er – dann fand er die Lösung: Man musste die Intervalle der Ampeln neu schalten. Und so ging er ans Werk: Den Fußgängern mehr Zeit, den Autos weniger. Und nun ist es so, dass man, wenn man von der Rathausstraße in die Seestraße Richtung Bahnhof einbiegen will, zwar nur einige Sekunden Grün hat, dafür dann, wenn Grün kommt, fast noch die letzten Fußgänger „mitnimmt“. Gleiches gilt, wenn man bei Grün von der Seestraße in die Montfortstraße fährt, da schaltet nämlich prinzipiell die Fußgängerampel auf Rot. Und die hinteren Autos stehen hilflos noch in der Seestraße. Noch schlimmer: Über die Montfortstraße in die Seestraße. Da geht der Stau bis weit hinauf in die Römerstraße, mindestens eine Viertelstunde braucht man, bis man durch ist, und das alles, obwohl kein besonderes Verkehrsaufkommen ist.
Wir haben nicht zu viel Verkehr, nur besondere Ampelreglungen. So zeigt die neu installierte, besonderes intelligente Ampel den Fußgängern nicht nur Rot, sondern auch noch den Hinweis „Grün kommt“. Was, so darf man fragen, sollte denn sonst kommen? Violett? Solchem Tun sagt man dann „Verkehrsplanung“. Vielleicht sollte man den entsprechenden Beamten auf Urlaub schicken. Strafweise mit dem Auto. Durch Bregenz.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
Kommentar