Bezau: Mehr als nur Handwerk
Am vergangenen Wochenende wurden die Veranstalter der Handwerker-Ausstellung in Bezau geradezu überrannt. Am Freitag stürmten etwa 7000 Besucher die Wirtschaftsschule so heftig, dass kaum mehr ein Durchkommen möglich war. Das war zwar nicht im Sinne der Aussteller, zeigt aber doch, wie groß das Interesse an solchen Präsentationen ist. Allerdings haben die Bregenzerwälder auch alles getan, um mit der Schau allen etwas zu bieten.
Es war schlichtweg großartig, was von über hundert Handwerksbetrieben gezeigt wurde. Natürlich lag ein Schwerpunkt auf holzverarbeitenden Betrieben, waren also Tischler, Schreiner oder Zimmerleute allgegenwärtig, trotzdem waren auch andere mit dem Bauen befasste Handwerker, beispielsweise Ofenbauer, Spengler oder Schmiede, bestens vertreten. Und auch viele andere, die nichts mit Bauen, aber viel mit Wohlfühlen zu tun haben, waren mit dabei. Die Schule war als solche nicht mehr wiederzuerkennen, sie wurde außen und innen so verändert, dass sie zur tauglichen Messe, zum stimmigen Miteinander von vielen Handwerkern umgestaltet wurde. Besonders wichtig war, dass nicht nur auf möglichen Umsatz und gute Aufträge geschaut wurde, sondern auch der Jugend Angebote, vor allem für verschiedene Lehrstellen und Ausbildungsmöglichkeiten, gemacht wurden.
Solche Qualität im Gesamteindruck ist nur möglich, wenn alle zusammentun, wenn man Einzelinteressen hintan und gemeinsame in den Vordergrund stellt. Und so, wie sich die Handwerker in Bezau präsentiert haben, ist das in diesem Umfang und in dieser Qualität, so glaube ich, nur im Bregenzerwald möglich. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die neue Vorarlberger Architektur nirgends im Land so verbreitet ist und dass diese Architektur nur mit guten Handwerkern als Partnern bestehen kann. Man baut hier viel auf Tradition und bringt ebenso viel Innovation ein.
Dass man über die Ausstellung hinaus auch das Dorf zum Mitfeiern eingeladen hatte, brachte am Freitag einen besonderen Abend. „Dorfklang“ nannte sich das Motto, nach dem aus verschiedenen Gasthäusern Musik und Gesang zu hören war. Und wenn man wollte, dann konnte man da auch mitmachen – bis weit in die Nacht hinein. Es war ein wunderbares Miteinander von Handwerk und Geselligkeit. Schade, dass es bis zur nächsten Ausstellung wieder fünf Jahre dauert.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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