Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ein Wahlkampf ohne Kultur

Kultur / 12.09.2014 • 18:12 Uhr

Der Titel ist zweideutig. Er könnte einerseits meinen, dass der Wahlkampf ohne Kultur, ohne politische Kultur ablaufe. Das wäre nicht wirklich richtig, denn – zumindest bisher – gab es keine besonderen Ausreißer, es gab vielleicht geschmackliche Verirrungen, aber keine auffallenden Bösartigkeiten oder gar Verleumdungen. Also bedeutet der Titel, dass in diesem Wahlkampf die Kultur, die politische Beschäftigung mit Kunst und Kultur, also die Kulturpolitik, keine Rolle spielt. Das ist zwar gegenüber früheren Jahren und früheren Wahlen – egal ob Gemeinderats-, Landtags- oder Nationalratswahlen – keine Neuigkeit, trotzdem nicht wirklich verständlich.

Kultur ist ein Minderheitenprogramm, mit Kultur kann man vermutlich keine Wahlen gewinnen, man kann damit auch keine verlieren. Kultur ist nur einem Teil der Bevölkerung wichtig, nur ein Teil nützt auch das kulturelle Angebot. Kultur ist, so meinen viele, auch viele Politiker, nicht lebenswichtig, es gebe auch ein Leben ohne Kultur. Das ist – mit Verlaub – schlichtweg falsch. Es gibt kein Leben ohne Kultur, es gibt nicht einmal eines ohne Kunst. Auch wenn es den Menschen bisweilen nicht bewusst ist. Zu Kunst und Kultur gehören die Sprache, die Musik, das Bild, das Buch, die Architektur, die Stadt- oder die Raumplanung. Fast alles, was uns umgibt, kann unter dem Sammelbegriff der Kultur zusammengefasst werden.

Das alles ist für die Politik aber nicht wirklich relevant, jedenfalls nicht in der politischen Auseinandersetzung vor Wahlen. Da spielt die Förderung von Kunst und Kultur keine besondere Rolle. Dabei ist es ja so, dass diese Landesregierung damit durchaus punkten könnte. Seit langer Zeit wird jedes Jahr mehr Geld für Kunst und Kultur zur Verfügung gestellt, mit den Steigerungsraten kann man sich – verglichen mit anderen Bundesländern oder auch mit Regionen um den Bodensee – durchaus sehen lassen. Auch die Investitionen der jüngeren Zeit in Kulturbauten, etwa das neue Landesmuseum in Bregenz oder die Zuschüsse zum neuen Montforthaus in Feldkirch, sind beträchtlich und zeugen davon, dass man im Landhaus die Wichtigkeit von Kultur erkennt. Warum, so frage ich mich, macht man das denn nicht zum Thema? Antwort siehe oben: Kultur ist ein Minderheitenprogramm, damit gewinnt man keine Wahl. Damit kann man, so scheint es, nur verlieren. Leider.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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