Sich damit zu befassen, hat bereits etwas

Kultur / 12.09.2014 • 21:18 Uhr
Frida-Lovisa Hamann und Dorothee Hartinger in „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz im Akademietheater.  FOTO: APA
Frida-Lovisa Hamann und Dorothee Hartinger in „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz im Akademietheater. FOTO: APA

Burgtheater eröffnete die Saison mit dem deutschen Autor Wolfram Lotz (33).

Wien, Feldkirch. (VN-cd) Genaugenommen ist der Start der Spielzeit auf Österreichs bedeutendster Bühne ja mit „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus erfolgt. Interessierte haben die vor allem den kulturhistorischen Aspekt betonende Inszenierung bei den Salzburger Festspielen verfolgt. Das Stück zum Ersten Weltkrieg ist nun im großen Wiener Haus gelandet, während man im kleinen Haus, dem Akademietheater, mit „Die lächerliche Finsternis“ auf aktuelle Konflikte Bezug nimmt.

Assoziationen zu einem Klassiker stellen sich dennoch ein, Passagen aus Joseph Conrads Roman „Herz der Finsternis“ drängen sich auf, wenn ein Hauptfeldwebel und ein Gefreiter nach Afghanistan fahren, um dort einen durchgedrehten Oberstleutnant zu liquidieren. Definitiv zu klären, wer woran und wer wie viel Schuld trägt – an dieser Frage ist weder der mit dem Kleist-Förderpreis ausgezeichnete und mit „Einige Nachrichten an das All“ bekannt gewordene deutsche Autor interessiert noch Regisseur und Ausstatter Dusan David Parizek. Er besetzt die Männerrollen mit den Schauspielerinnen Carin Striebeck, Stefanie Reinsperger, Dorothee Hartinger und Frida-Lovisa Hamann und lässt die Zuschauer, die ein paar Tage nach der Premiere – was ist los in Wien? – nicht einmal den vergleichsweise kleinen Raum füllen, zum Schluss kommen, dass das Burgtheater hier das reproduziert, was vor Jahren die  Off-Szene oder beispielsweise die Ästhetik einer Berliner Volksbühne ausmachte. Akteurinnen sprechen – mitunter im Dialekt – das Publikum direkt an, und weil sich wiederholendes Absingen eines Hits immer noch gut macht, füllt „The Lion Sleeps Tonight“ bald in gerade noch erträglicher Länge den Raum. Während des Zerhäckselns der Bühnenrückwand  steht es dem Publikum frei, eine Pause zu absolvieren. Viele tun es, nicht alle kommen zurück. Sie haben nicht viel versäumt, vielfältige Mechanismen der Gewalt aus einem Text zu extrahieren, ist der Regie bei Nichtbeachtung etwaiger Handlungsstränge schon zuvor gelungen. Mehr geht nicht, sich damit zu befassen, das hat bereits etwas.

„Die Wand“

Dorothee Hartinger hat vor einiger Zeit mit Christian Nickel eine Bühnenfassung von Marlen Haushofers „Die Wand“ auf der Seitenstiege des Burgtheaters realisiert. Das Stück über ein Zurückgeworfensein in die absolute Einsamkeit spielt sie nun im Feldkircher Saumarkttheater.

Weitere Aufführungen vorläufig bis Ende September im Akademietheater. www.burgtheater.at Die Burgtheater-Produktion „Die Wand“ mit Dorothee Hartinger wird am 13. September, 20.15 Uhr, im Theater am Saumarkt in Feldkirch gezeigt.