Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Museums-Kino, Kunst im Laden

Kultur / 05.12.2014 • 19:33 Uhr

Auf zwei ungewöhnliche Aktionen soll hier hingewiesen werden. Einmal auf einen Filmzyklus von Robert Polak im Vorarlberg Museum, wie er in solcher Intensität in Vorarlberg noch nie zu sehen war, (man muss dem Landesmuseum gratulieren), zum anderen eine Ausstellung mit Arbeiten von Paul Renner in ungewöhnlicher Umgebung, nämlich im Schaufenster und im Geschäft von Sagmeister in Bregenz.

Robert Polak war (nach meinem Wissen) der erste Vorarlberger, der auf der Wiener Filmakademie studiert hat und dort dann Professor für Filmschnitt war. Zu seinem 70. Geburtstag hat das Landesmuseum über sieben Tage einen Querschnitt durch sein Schaffen gezeigt. Seine ersten Filme, damals noch mit einer 8-mm-Kamera gedreht, datieren noch aus seiner Gymnasialzeit in Bregenz aus dem Jahre 1963. Der letzte Film in Spielfilmlänge ist der Bregenzer Bergmannstraße gewidmet, jener Straße, die „Pizi“ Polak vom Fenster seines Hauses über Jahrzehnte beobachten konnte. Originell, vor allem für Bregenzer Skifahrer, schon der erste noch unprofessionelle Dreiminutenfilm, „Pizi fährt den Schlauch“. Die Technik ändert sich auf 35mm und Video, ebenso ändern sich die Themen. Herausragend aus den vielen gezeigten Streifen der Film „Was das Zeug hält“ mit Tone Fink, dann „Locus iste“, eine Dokumentation über eine Klösterreise des Spielbodenchores und eine über die Harder Malerin Flora Bilgeri (mit Musik von Benni Bilgeri) und schließlich der Bergmannstraße-Film. Es war eine schöne Woche, jeden Tag im Kino des Museums.

Einen besonderen Beitrag leistete das Modehaus Sagmeister zur „Nacht des langen Einkaufs“. Im Schaufenster und im Verkaufsraum wurde eine Ausstellung mit Arbeiten von Paul Renner eröffnet. Ausstellungen in Geschäften sind gefährlich, denn da steht meist das Geschäft im Vordergrund und die Kunst bleibt auf der Strecke. Nicht so in diesem Fall. Sagmeister hat gute Voraussetzungen geschaffen, zwei Schaufenster stehen nicht mehr im Zeichen von präsentierter Ware, sondern zeigen zwei großflächige Arbeiten von Renner, im Inneren steht eine lange Wand ganz den Bildern zur Verfügung, fast wie in einer Galerie. Renner hat sich diese Präsentation nicht leicht gemacht, er hat sich viel angetan, damit seine Arbeit in solcher Umgebung bestehen kann. Was zum Vorteil des Geschäftes und vor allem auch zu jenem von Paul Renner ist.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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