,,Haben das Umherziehen im Blut“

Kultur / 05.06.2015 • 20:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Vorarlberger Künstlerin Barbara Anna Husar ist Teil des neuen Kunstprojekts.  Foto: Moritz Gromek
Die Vorarlberger Künstlerin Barbara Anna Husar ist Teil des neuen Kunstprojekts. Foto: Moritz Gromek

Ehemaliges Finanzamt in Wien-Neubau wird zum Ausstellungsraum für drei Künstlerinnen.

Wien. Auf der Suche nach Gegensätzlichem reiht sich die Dichotomie zwischen der Institution Finanzamt und der mit dem Nomadentum verbundenen Lebensweise wohl weit oben auf der Liste ein. Genau mit diesem Gegensatz spielen die drei Künstlerinnen Barbara Anna Husar aus Vorarlberg, Noemi Kiss aus Siebenbürgen und Susanne Neumann aus Bayern momentan. Zufällig ergab sich die Möglichkeit, über 400 Quadratmeter des Ende 2012 aufgelassenen Finanzamts in der Seidengasse in Wien für eine Ausstellung zu nutzen. „Es gibt viele Möglichkeiten, so einen ,open space‘ zu bespielen, aber wir haben uns alle drei dafür entschieden, alles komplett herauszuputzen und so fast eine museumsartige Atmosphäre zu schaffen“, erklärt Barbara Anna Husar im VN-Gespräch. „Das war eine Unmenge an Arbeit, wir haben die Woche vor der Eröffnung kaum geschlafen.“

Mobilität

Verbindendes Element in der Arbeit der drei Künstlerinnen ist zum einen das große Bedürfnis nach Mobilität und Umherziehen und zum anderen die Vorgehens- und Schaffensweise. Fundstücke werden in einen neuen Kontext gebracht, und so gelingt es aus ganz wenigen Elementen neue Ebenen und Verbindungen herzustellen. So erkennt man in einem der von Susanne Neumann gestalteten Räume sofort das für sie wichtige Thema Mobilität, welche sie ganz zentral in der für sie nahezu meditativen Tätigkeit des Autofahrens ausleben kann. Vor einer Wand, versehen mit abgebrochenen Autospiegeln, die sie alle in nur einer engen Gasse in Italien eingesammelt hat, spiegelt man sich als Besucher selbst wider. Künstlerin Noemi Kiss versucht stets Dinge zu verbinden, die eigentlich nicht zusammenpassen. So stellt sie ein eigentlich mit Weichheit und Gemütlichkeit assoziiertes Kissen aus Beton her, oder kreiert aus alten Teppichen große, an die Wand angebrachte Insekten. „Diese ,Carpet Cut-Outs‘ machen aus zwei unbeliebten Dingen, alte Teppiche und Insekten, wieder etwas Akzeptables“, erklärt die studierte Philosophin und Architektin im Interview.

Performance

Barbara Anna Husar zeigt sich über die gelungene Zusammenarbeit zwischen den drei Künstlerinnen, die sich ursprünglich über Daniel Spoerri kennengelernt haben, begeistert. „Es passt wirklich alles unglaublich gut zusammen und es haben sich auf unbewusster Ebene viele neue Verbindungen zwischen unseren Arbeiten ergeben.“ Der Raum mit dem wohl größten Bezug zum Gebäude wurde von der Vorarlbergerin selbst gestaltet. Seit jeher sammelt sie Begriffe und Motive ihrer Arbeit in Form von Stempeln. Im „Stempelzimmer“ zeigt sie die daraus entstandenen Collagen, die oft als eine Art Entwurf dienen, für spätere Projekte, Performances, Filme oder Installationen.

Klassische Öffnungszeiten, wie man sie sich in einem Finanzamt erwarten würde, gibt es bei diesem Projekt nicht. Bis Ende Juni werden aber wöchentlich Performances und Führungen stattfinden, die für jedermann zugänglich sind. So können beim „Picknick Exchange“ am 19. Juni 2015, gemeinsam mit Daniel Spoerri, mitgebrachte Köstlichkeiten ausgetauscht und gleichzeitig die Ausstellung genossen werden.

„Nomadin im Amt“: Informationen zu Performances und Führungen gibt es unter: http://nomadinimamt.tumblr.com/