Der Turm für die Geschichte
Jetzt kann man sich wirklich sicher sein. Der Martinsturm, das Wahrzeichen von Bregenz, wird in Zukunft nicht mehr missbräuchlich für militärische Zwecke genutzt, sondern steht in Zukunft ausschließlich der Geschichte der Landeshauptstadt zu Diensten. „Gefeiert“ wird das mit einer stadtgeschichtlichen Ausstellung, die ab jetzt ständig in den oberen Räumen des Turmes zu sehen ist. Dort kann man übrigens auch in die ehemalige Wohnung des Türmers, in der dank entsprechender Restaurierung viel historische Bausubstanz zu sehen ist. Der Türmer – der letzte in weitem Umfeld – aber ist leider nicht mehr da, der wurde vor einigen Jahren aus den Diensten der Stadt entlassen. Der oberste Raum, der einen großartigen Blick über die Stadt, ins Rheintal und auf den Bodensee erlaubt, ist der Rundumschau gewidmet.
Verantwortlich für die neue Dauerausstellung ist der Archivar der Stadt Bregenz, Thomas Klagian, wesentliche Arbeit leistete auch Rita Bertolini, in deren Verlag die für ein breites Publikum gedachte Begleitpublikation „Bregentz – Stadt am Bodensee“ erschienen ist. „Bregentz“, das ist kein Flüchtigkeitsfehler, sondern eine bewusste Schreibweise, die auf die verschiedenen Schreibweisen der Stadt zu verschiedenen Zeiten hinweisen soll. „Brigantion“ als keltische Bezeichnung kennen wir, dass aber der geläufige lateinische Name „Brigantium“ in antiken Texten nicht aufscheint, war – zumindest mir – bisher nicht bekannt. Und so gibt es hier ziemlich einiges zu sehen und vor allem auch zu lesen, das ich nicht gekannt habe. Aber dazu sind historische Ausstellungen ja da, dass man etwas klüger herauskommt als man hineingegangen ist.
Die Ausstellung bietet, wie die Publikation, die ein getreues Abbild der Schau im Martinsturm ist, keine chronologische Geschichte der Stadt Bregenz. Vielmehr wird nach einzelnen Stichworten die Stadt in Bildern gezeigt, ergänzt durch erläuternde Texte. Das Material zur damit ersten stadtgeschichtlichen Dauerausstellung in Bregenz wurde bereits in den letzten Jahren – ebenfalls von Thomas Klagian und Rita Bertolini – zusammengetragen und in thematischen Darstellungen gezeigt. Was jetzt vorliegt, gibt einen guten Überblick über die Stadtgeschichte. Als Ausstellung ebenso wie als eigenständige Publikation, in der man nicht nur nachlesen, sondern auch nachschlagen kann.
Dazu sind historische Ausstellungen ja da, dass man etwas klüger herauskommt als man hineingegangen ist.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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