Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Von Neid und Zufriedenheit

20.11.2015 • 20:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wenn man von Politikern und ihrem – zumindest in den höheren Rängen – oft respektablen Einkommen spricht, dann fällt nicht selten das Wort von der Neidgenossenschaft. Die Menschen sind ihren politischen Vertretern ihr Gehalt neidisch, weil sie glauben, dass die für die Wähler erkennbare Leistung nicht mit dem dafür ausbezahlten Salär übereinstimmt. Wie sehr das stimmt, zeigt eine vor Kurzem durchgeführte Umfrage des GFK-Instituts (im Auftrag der Allianz) zum Thema Geld. Danach gönnen nämlich nur drei Prozent der Österreicher den Politikern ihr Einkommen.

Damit liegen die Volksvertreter an der untersten Stelle der Skala. Allerdings sollten die, die darüber schreiben, vorsichtig sein, denn die Einschätzung der Journalisten ist nicht besser. Ebenfalls drei Prozent gönnen den Schreiberlingen oder Rundfunkredakteuren ihr Gehalt. Das ist bescheiden, aber nicht wirklich überraschend. Denn zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Umfragen seit vielen Jahren, Politiker und Journalisten befinden sich in solchen oder ähnlichen Tabellen meist im Umfeld von Zuhältern, Vertretern oder Winkeladvokaten.

Auch andere Berufe kämpfen nach dieser Wertung mit nicht gerade umwerfendem Image. So wundert beispielsweise, dass Sportlern gerade einmal sechs Prozent ihre bisweilen horrenden Einkommen gönnen, den Beamten nur fünf Prozent.

Aber auch Künstler, die ja nicht zu den Großverdienern der Nation gehören, erfahren mit sieben Prozent nur bescheidene Sympathiewerte. Von der Zahl her erstaunlich sind die 30 Prozent Zustimmung für die Handelsangestellten, berücksichtigt man allerdings, dass diese – wie etwa auch die Friseurinnen – zu den chronisch Unterbezahlten gehören, so versteht man besser, dass auf diese Einkommen kein Neid aufkommt. Ganz oben an der Spitze stehen – wie bei allen Umfragen dieser Art – die Ärzte, denen 44 Prozent ihr Gehalt gönnen; noch weiter oben das Pflegepersonal, das sogar mit einem Sympathiewert von 77 Prozent punkten kann.

Bei dieser Umfrage wurde auch nach Vorbildern in
Sachen Geldverdienen gefragt. Neben bekannten Gesichtern scheint am neunten Platz Dagobert Duck, der sagenhaft reiche Onkel von Donald Duck aus den Micky-Maus-Heften auf. Die Realität ist eine andere: Der durchschnittliche Netto-Monatsverdienst in Österreich liegt bei etwa 1730 Euro. Da ist also noch ziemlich viel Luft nach oben.

Journalisten befinden sich in solchen oder ähnlichen Tabellen meist im Umfeld von Zuhältern oder Winkeladvokaten.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.