Vielleicht doch ein gutes Jahr?
Nach dem traditionellen wunderbaren Jahresanfang mit dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker unter Mariss Jansons aus dem Goldenen Saal des Musikvereins habe ich mich nun wieder in die traditionellen Ebenen des arbeitenden Menschen zu begeben und mir etwas für das neue Jahr einfallen zu lassen. Dabei gibt es überhaupt keine unangenehmeren Tage als solche Jubiläen, auf die man sich zwar nicht wirklich beziehen muss, an denen man aber trotzdem nicht vorbeikommt. Zumal an einem solchen Termin immer auch noch die Frage aufkommt, was man sich denn vorgenommen habe, was man denn ändern wolle mit dem neuen Jahr. So, als ob das ein entscheidender Einschnitt wäre, der einen Neuanfang geradezu zwingend notwendig machen würde.
Das ist natürlich Blödsinn, man kann sich alles auch an jedem anderen Tag des Jahres vornehmen, also fasse ich überhaupt keine Vorsätze. Aber ich könnte mich ja fragen, was ich mir vom neuen Jahr wünsche, was es bringen sollte. Da kämen mir vielleicht Ideen. Auch wenn sie letztlich nicht viel bewirken werden, sich also, einfach gesagt, wohl nichts ändern wird.
Schön wäre es beispielsweise, wenn sich unsere Bundesregierung darauf besinnen könnte, dass sie nicht nur dem Koalitionspartner ständig eine aufs Haupt hauen, sondern vernünftige Beschlüsse fassen sollte zum Wohle von uns, nämlich dem Volk, das sie zu vertreten vorgibt. Schön wäre es zudem, wenn die Damen und Herren, die uns regieren, die Zeichen der Zeit erkennen und sich um die Not der Flüchtlinge und um ihre menschenwürdige Unterbringung und Verpflegung kümmern würden, anstatt immer nur den anderen vorzuhalten, dass sie endlich etwas tun sollen.
Besonders schön wäre es, wenn sich nicht ständig der Bund auf die Länder und die Länder auf den Bund rausreden würden und beide damit nur zur Verschlimmerung der ohnehin schon schweren Situation beitragen würden. Schön glänzen würde es wohl auch, wenn sich ganz besonders die Kirchen, die katholische, die evangelische und andere bis hin vor allem auch zur islamischen Glaubensgemeinschaft, ihrer Aufgabe am Nächsten besinnen würden. Dann würden sich auch ihre Schäfchen leichter tun, die Nächstenliebe „an den ärmsten Brüdern und Schwestern“ auch als ihre eigene Aufgabe zu betrachten. Und wenn das alles so wäre, dann könnte sich vielleicht doch noch etwas ändern, auf dass es ein gutes Jahr werde.
Besonders schön wäre es, wenn sich nicht ständig der Bund auf die Länder und die Länder auf den Bund rausreden würden.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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