Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Er hat nichts verstanden

Kultur / 19.02.2016 • 19:18 Uhr

Vor einigen Jahren war ich mit guten Freunden zwei Mal auf dem Franziskusweg unterwegs. Wir waren keine klassischen Pilger, die von Florenz nach Assisi oder von dort noch weiter nach Rom gingen. Wir nahmen Quartier in Assisi, besichtigten vor allem diesen wunderbaren Ort, die auf das 13. Jahrhundert zurückgehende unglaubliche Kirche San Francesco, die erhöht wird durch die Fresken des Giotto und des Cimabue. Ein Erdbeben im Jahre 1997 hatte wesentliche Teile der Kirche zerstört, vor allem die Malereien des Cimabue waren betroffen, die Fresken von Giotto und Cavallini sind wieder zu bewundern. In der Unterkirche dann das Grab des hl. Franziskus, das Ziel vieler Pilger auf dem Franziskusweg. Nicht weit entfernt, im Tal, die kleine Kapelle Porziuncola aus dem 11. Jahrhundert, die Sterbekapelle von Franziskus, die innerhalb der großen Kirche von Santa Maria degli Angeli steht – ein kleines Wunder.

Solche „Wunder“ haben wir viele erlebt auf unseren Wanderungen auf dem Franziskusweg durch die wunderschöne Landschaft Umbriens, durch Dörfer wie Gubbio, Spello, Trevi oder Spoletto – jedes einzelne durch die Lage in der Landschaft, meist auf einem Hügel, durch die größeren Kirchen und kleineren Kapellen von außergewöhnlicher Schönheit.

 

So war es nicht verwunderlich, dass vor einigen Tagen eine Zeitungsnotiz unser Interesse weckte: „Zu Fuß nach Rom – Auf dem Franziskusweg“. Martin Engelmann, Fotograf und Autor mehrerer Bücher, lud dazu ein, „Kunst und Kultur hautnah zu erleben“. Wir freuten uns, machten uns auf nach Feldkirch – und wurden bitter enttäuscht. Der Vortrag glich mehr einer jener berüchtigten Werbefahrten (in der Pause des 2-Stunden-Vortrags wurden Bücher und DVD angeboten), denn der Schilderung einer Pilger- oder Kulturreise. Wir nutzten die Pause zum Abschied. Denn fast nichts war bis dahin zu hören über das spannende Leben des Franz von Assisi, fast nichts über die kunsthistorische Bedeutung besonderer Bauten am Weg, gar nichts über das, was Pilgern im Gegensatz zum Wandern ausmacht – nur die Leiden des Wanderers erfuhren wir im Detail. Engelmann hat nichts von diesem Weg verstanden. Das ist vor allem deshalb schade, weil es so viel zu erzählen gäbe. Und damit tingelt Engelmann derzeit durch die Lande, vor allem auch in Vorarlberg. Einzig positiv: Das Buch „Zu Fuß nach Rom“ (Tyrolia Verlag) ist deutlich besser als der Vortrag, die DVD aber leider die gleiche Enttäuschung.

Solche ,,Wunder“ haben wir viele erlebt auf unseren Wanderungen auf dem Franziskusweg.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.