Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Religionen zum Flüchtlingstag

Kultur / 17.06.2016 • 20:42 Uhr

Die UN-Vollversammlung hat den 20. Juni zum internationalen Gedenktag für Flüchtlinge ausgerufen. Das ist gut so, ändert aber letztlich nichts an den unerträglichen Zuständen, denen Flüchtlinge weltweit ausgesetzt sind. In früheren Jahren hat uns das nicht wirklich getroffen, die Flüchtlingsbewegungen waren irgendwo auf der Welt, aber nicht in unserem ruhigen, reichen zentralen Europa. Jetzt aber sind die Menschen, die vor Krieg, Terror, Hunger, Missachtung der Menschenrechte und Armut flüchten, auch bei uns angekommen. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

 

Zu diesem Tag wurde gestern ein „Offener Ökumenischer Brief“ an die wesentlichen politischen Vertreter Österreichs, die Bundesregierung und die Landeshauptleute, geschickt. Absender sind Vertreter der katholischen, der evangelischen, der altkatholischen und der serbisch-orthodoxen Kirchen in Vorarlberg. Dem Schreiben vorangestellt ist ein Satz aus dem 146. Psalm: „Gott liebt die Fremden und behütet sie.“ Und ganz in diesem Sinn ist auch das Schreiben abgefasst, das in zehn Forderungen die Politiker zum Handeln auffordert. Naturgemäß nehmen die Vertreter der Kirchen Position für die Flüchtlinge und „erwarten eine menschliche Behandlung aller flüchtenden Menschen“.

 

Man wolle nicht in einer „Festung Europa“ leben, in der Grenzen „mit Waffengewalt und Stacheldraht gegenüber Schutzsuchenden“ geschlossen würden. Es gebe keinen Notstand in Österreich – auch wenn „uns das viele fälsch­licherweise glauben machen wollen“.

Österreich sei, genauso wie die EU, nicht unschuldig an der Entwicklung in jenen Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, da nach wie vor Waffen in Krisengebiete geliefert werden. Österreich dürfe sich auch nicht weiter der Hilfe für die nordafrikanischen Länder um Syrien entziehen, nach wie vor sei die Entwicklungshilfe beschämend.

 

Eine ganze Reihe von Forderungen erheben die Geistlichen der verschiedenen Kirchen in Vorarlberg. Sie werden wohl wissen, dass die verantwortlichen Politiker durch den Offenen Brief ihre Positionen vermutlich nicht ändern werden. Trotzdem ist es wichtig, dass sie ihre Stimmen erheben, dass sie wortstark eintreten für die Flüchtlinge. Denn die Politik und die Menschen sollen wissen, dass nicht alle mit der Vorgehensweise der EU – und damit auch Österreichs – gegenüber den Flüchtlingen einverstanden sind. 

Österreich sei nicht unschuldig an der Entwicklung in jenen Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.