Philosophie als Unterhaltung
Schon lange bereitet mir der Zürcher Diogenes Verlag viel Freude mit Gedichten, Geschichten, Spannung, Unterhaltung oder auch Wissensvermittlung. Mehr als 6000 Titel hat Diogenes seit der Gründung im Jahre 1952 herausgebracht. Darunter sind viele Titel der Weltliteratur, vor allem auch großartige Neuauflagen und Neuübersetzungen von Klassikern der verschiedensten Genres. Aufsehen erregt hat Diogenes vor ein paar Jahren, als der Verlag fast alle Bücher von Georges Simenon, die Maigret-Krimis und vor allem die weitgehend unbekannten Non-Maigret-Romane neu aufgelegt hat. Ein Mammutunterfangen, für das höchste Ehre gebührt.
Besonderen Eindruck hat mir Diogenes aber schon vor etwa dreißig Jahren gemacht. Damals, 1985, stieß ich auf den ersten Band der „Geschichte der griechischen Philosophie. Die Vorsokratiker“, drei Jahre später folgte Band zwei, die „Geschichte der griechischen Philosophie. Von Sokrates bis Plotin“.
Autor war Luciano De Crescenzo, ein Neapolitaner, der in der Computerindustrie eine Bilderbuchkarriere hingelegt hatte, um dann, als er im höchsten Management angekommen war, den ganzen Krempel hinzuschmeißen. Ab diesem Zeitpunkt widmete er sich hauptsächlich der Philosophie. Ich erinnere mich noch an meine Begeisterung, wie ich – im Bett lesend – laut lachen musste ob der Einfälle von Crescenzo. Nie vorher hatte ich Philosophie so wunderbar erzählt gelesen, noch nie so unterhaltsam und verständlich dargeboten bekommen.
Zu jedem einzelnen Philosophen gab es Geschichten und Anekdoten, die aber nicht vom Thema ablenkten, sondern letztlich das Wissen um die zentralen Thesen vermittelten. Aber eben nicht in trockener Theorie, sondern in heiterer Art, die aber – zumindest bei mir – die Inhalte wunderbar ins Gedächtnis brannte. Oft habe ich diese beiden kleinen Bände, die inzwischen längst vergriffen sind, verschenkt und damit meist begeisterte Reaktionen erhalten.
Nun gibt es zu meiner Freude seit Kurzem eine Neuauflage dieser beiden Bände in einem Taschenbuch, sozusagen die griechische Philosophie von Luciano De Crescenzo kompakt in einem Band. Und nach neuerlicher Lektüre stelle ich fest, dass diese Geschichten nichts von ihrem Reiz verloren haben, dass sie noch immer so unterhaltend und tatsächlich auch lehrreich sind wie vor dreißig Jahren. Vielleicht ein Weihnachts-Hinweis – zur Lektüre und zum Schenken.
Und nach neuerlicher Lektüre stelle ich fest, dass diese Geschichten nichts von ihrem Reiz verloren haben.
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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