Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wieder sind wir die Letzten

Kultur / 31.03.2017 • 18:56 Uhr

Wenn das nur ein Aprilscherz wäre! Ist es aber nicht. Bei einem neuen Test für Bildungsstandards haben die Schüler aus Vorarlberg wieder einmal schlecht abgeschnitten. Genauer: am schlechtesten in Österreich. Die Ergebnisse sind erschreckend: In allen Bereichen – Zuhören und Sprechen, Lesen, Schreiben und Sprachbewusstsein – reihen sich Vorarlbergs Schüler der achten Schulstufe hinten ein. Überall besteht Aufholbedarf, in vielen Fällen sogar dringender.

Das wirkliche Problem ist, dass die untersuchten Themen alle das ganz normale Leben betreffen. Wer nicht zuhören und nicht richtig sprechen kann, wird nicht nur in der Schule Probleme bekommen. Gleiches gilt für die, die des Lesens und Schreibens nicht wirklich mächtig sind. Schließlich ist auch Sprachbewusstsein eine wichtige Voraussetzung für das spätere berufliche Leben. Jeder sechste Vorarlberger Schüler aber hat hier ganz erhebliche Defizite. Selbst wenn man nicht jedem Schulranking von den verschiedenen Tests bis PISA glauben will: Wenn man immer hinten dran ist, dann darf man daraus wohl ein Problem ablesen. Vorarlberg ist aber immer hinten dran, besonders beim Lesen und bei der Sprache. Das allein auf die vielen Schüler mit Migrationshintergrund zu schieben, reicht nicht. Da muss man wohl etwas tiefer schürfen.

Interessant ist, dass nahezu gleichzeitig die neuen politischen Ideen zur Bildung in Österreich bekannt wurden. Dabei sollen in Zukunft mehrere Schulen zu sogenannten „Clustern“ zusammengeschlossen werden. Bis zu acht Schulen aus bis zu drei verschiedenen Gemeinden sollen das sein. Da frage ich mich – außer der eigenen Erfahrung zugegebenermaßen ein Laie in schulischen Fragen – schon nach dem Sinn. Warum soll ein Direktor, der in Zukunft für acht Schulen zuständig ist, besser sein als einer, der nur eine Schule leitet, dafür aber „seine“ Schüler und „seine“ Lehrer wirklich kennt? Einmal ganz abgesehen davon, dass jede Schule ihre Eigenheiten hat, vom Standort her, von der Zusammensetzung der Schüler bis zum Einzugsgebiet und dem Hintergrund der Eltern. Wie soll da ein Direktor für acht Schulen klarkommen? Wahrscheinlich brauchen wir genau das Gegenteil, nämlich kleinere Einheiten, damit auf alle Schüler entsprechend ihren Stärken und Schwächen eingegangen werden kann. Wir brauchen keine „Cluster“, wir brauchen mehr Qualität.

Wir brauchen keine ,Cluster‘, wir brauchen mehr Qualität.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.