“Unser Testosteron ist die Selbstironie”

Kultur / 10.10.2017 • 19:26 Uhr
Die Szenerie hat werbetechnisch bestens funktioniert. Hang em high im Lustenauer Ried. Lucas Hämmerle
Die Szenerie hat werbetechnisch bestens funktioniert. Hang em high im Lustenauer Ried. Lucas Hämmerle

Vorarlberger Schlagzeuger Alfred Vogel hat mit seiner Band Hang em High in China “einen Hammer” erlebt.

Dornbirn  Wer sich Hang em High – Tres Testosterones nennt, kann nur mit sehr viel Selbstironie gesegnet sein, geerdet ist Alfred Vogel, seit Jahren bekannt als exzellenter Drummer in verschiedenen Formationen und Veranstalter des Festivals Bezau Beatz, schließlich durchaus. Gestern erreichte man den Vorarlberger auf der Fahrt von Polen nach Österreich. In Breslau gab er gerade ein Konzert und in den letzten Wochen war er in China unterwegs. „Das war der Hammer“, erzählt er und meint nicht nur die Begeisterung und die Aufmerksamkeit des Publikums, sondern auch die Freundlichkeit, die den drei Musikern aus Europa zuteil wurde.

Inwieweit man dabei auch für Vorarlberg und seine landschaftlichen Schönheiten werben konnte, ist schwer zu sagen, das jüngste Coverbild entstand jedenfalls im Lustenauer Ried. Die tierische Szene sollte ursprünglich noch durch Pferde aufgewertet werden, nachdem diese aber bei jedem Blitzlicht scheuten, blieb es bei den Ziegen, die sich auf den haushohen Plakaten, mit denen in chinesischen Städten wie Peking, Baoding, Zhuhai und Hongkong für die Konzerte geworben wurde, ordentliche für Aufsehen sorgten.

Kurzaufenthalt in Vorarlberg

Eklektisch sei die Musik, die Hang em High bietet, durchaus, erklärt Vogel. Und auch das darf man somit ironisch verstehen, viel Dynamik steckt drin und eine ordentliche Portion Rock, aber auch Poesie ist dabei, wenn der Drummer mit dem Klarinettisten Lucien Dubuis und dem Bassisten Bond auf die Bühne tritt. Alle drei haben sich bereits in diversen Gruppierungen in der Jazz-Szene etabliert, gemeinsam hat man in den letzten Jahren mehrere Projekte realisiert und ist nun einige Tage in Österreich unterwegs. Am Donnerstag findet ein Konzert am Dornbirner Spielboden statt, danach geht es sofort weiter. In Berlin wird Station gemacht, dann ist man unter anderem in Norwegen, in Deutschland, dann noch einmal in China und schließlich in New York und Sao Paulo.

Kraftvoll

„Unser Testosteron ist die Selbstironie“, kommentiert Alfred Vogel das markante Outfit, das nicht nur witzig, sondern irgendwie geschmacklos wirkt, dann aber doch passt. Wer sich auf Hang em High einlässt, vernimmt Jazz im Rockformat und somit sehr viel Kraftvolles, einige Muskelspiele, die von der Klarinette gebremst werden. Mit dem Eklektizismus-Begriff setzt Vogel somit auf Understatement. Letztlich ist das aber einerlei, wenn die Qualität stimmt. Dass sie die drei Musiker an den Tag legen, steht außer Frage. Und nach der Welttournee hat Vogel, wie er versichert, noch Zeit für sein Festival im Bregenzerwald. VN-cd

„Ich finde, dass dieses Bild unsere Musik sehr gut transportiert.“

Nächstes Konzert des Ensembles Hang em High (Lucien Dubuis, Bond und Alfred Vogel) am 12. Oktober, 20.30 Uhr, am Spielboden in Dornbirn