Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Flotte Stadtvertretung

Kultur / 08.12.2017 • 18:21 Uhr

Zwei Themen standen am Donnerstag auf der Tagesordnung der Bregenzer Stadtvertretung, von denen man annehmen konnte, dass sie einige Diskussionen auslösen würden. Doch weit gefehlt. Die Abgeordneten und die jeweiligen Parteien hatten sich längst ihre Meinung gebildet, so blieb es bei einzelnen Wortmeldungen und schnellen Abstimmungen. Eines der Themen war die Seestadt, die von jener Architektengruppe, die ein Überdenken der derzeitigen Pläne fordert, „Bregenz Mitte“ genannt wird. Das zweite Thema war der Ausstieg von Bregenz aus der Bewerbung um die Europäische Kulturhauptstadt 2024.

Vor einer Woche präsentierte eine große Gruppe von Architekten vor vollem Haus im Vorarlberg Museum neue Überlegungen zu Bregenz Mitte. Ein Name, den ich auch für sinnvoller als Seestadt halte, denn er zeigt, dass es hier um ein wesentliches städtebauliches Bindeglied zwischen der inneren Stadt und dem Vorkloster geht.

Zehn Punkte wurden von den Architekten, die bereits das ganze Jahr Stadtspaziergänge und Vorträge zum Thema organisiert hatten, vorgestellt, zehn Punkte, die man sich bei einer Bebauung von Bregenz Mitte – und in Wahrheit bei jedem städtischen Projekt – überlegen müsse. Eigentlich müsste sich die Stadt vor den Architekten in Dankbarkeit verneigen, denn diese Arbeiten haben sie in ihrer Freizeit „für eine bessere Stadt“ erledigt. Die rote und die grüne Fraktion taten das auch. Allerdings ist in Sachen Bregenz Mitte derzeit nichts spruchreif, eine Arbeitsgruppe ist gebildet, Gutachten stehen im Raum. Und bevor das alles nicht ausdiskutiert ist, werde es auch keinen Baubescheid, der von den Besitzern eingefordert ist, geben, sagte Bürgermeister Markus Linhart.

Noch schneller war der Punkt „Kulturhauptstadt“ erledigt. Was allerdings zu erwarten war, da Bürgermeister Markus Linhart schon länger angekündigt hatte, dass ein Ausstieg von Bregenz aus dem Projekt angedacht werde. Nachdem die Freiheitlichen als einzige für einen Verbleib im Verbund mit den anderen Städten und dem Bregenzerwald eintraten, war die Entscheidung klar. Wenn allerdings Linhart erklärte, dass Bregenz mit den Festspielen, dem Kunsthaus und anderen Einrichtungen ohnehin eine Kulturstadt und der Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt deshalb eigentlich nicht wichtig sei, dann darf man doch einwenden: Das hat man auch schon am Beginn der Überlegungen zur Kulturhauptstadt gewusst. So bleibt die Frage, warum Bregenz damals so engagiert eingestiegen ist, unbeantwortet.

„Und so bleibt die Frage unbeantwortet, warum Bregenz damals so engagiert in die Kulturhauptstadt-Thematik eingestiegen ist.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.