Mann oder Frau oder einfach Mensch

Kultur / 11.03.2018 • 18:26 Uhr
„DI_VER*SE“ ist Geist, Humor und echtes Gefühl. stark
„DI_VER*SE“ ist Geist, Humor und echtes Gefühl. stark

Bei „DI_VER*SE“ geht es um eines: ums Menschsein.

Feldkirch „Es ist kein Junge, kein Mädchen. Es ist ein Baby.“ So einfach die anfänglichen Sätze klingen, so simpel und gleichzeitig komplex ist auch die Botschaft von „DI_VER*SE“. Freuen wir uns einfach über das Leben und jeden Menschen in seinem individuellen Sein und in seinem individuellen Geschlechtsempfinden. Wenn es nur so einfach wäre, wenn da nicht die Schubladen wären. Was Barbara Herold mit ihrer Doku-Satire und ihrer Regie und Maria Fliri, Peter Bocek und Helga Pedross auf der Bühne machen, ist Schubladen ausleeren. Das macht ihnen, dem Publikum und dem kleinen Ich-bin-ich – das darf in so einem Stück fast nicht fehlen – Spaß.

Für die Produktion hat dieheroldfliri.at Interviews mit einem Dutzend Trans-, Transgender- und Inter*personen geführt. Die verschiedenen Lebensgeschichten werden auf der Bühne mit allen Höhen und Tiefen erzählt. Fliri, Bocek und Pedross wechseln zwischen Transmann, Transfrau und Interpersonen so leicht, schnell und glaubwürdig, dass das Publikum geistig ganz schön ins Schwitzen kommt, um mithalten zu können. Die Geschichten ähneln sich. Sie handeln von Ausgrenzung, vom Alltag, von einem System, in das man hineinpassen möchte, von Rollen, die gespielt werden, nur um dazuzugehören und vom Wunsch, endlich einfach sich selbst sein zu dürfen. Und spätestens da macht es „Klick“. Das sind alles Probleme, die jeder kennt. Wurscht ob Mann, Frau, Transgender oder Interperson: Mensch ist Mensch.

Demontage mit Augenzwinkern

Mit Geschichten wie diesen wird oft genug auf die Tränendrüse gedrückt. „DI_VER*SE“ lässt die Tränen weg und bringt Geist, Humor und auch echtes Gefühl. Als vierter Akteur auf der Bühne ist das kleine Ich-bin-ich dabei. Zwischen Geschlechtsteil-Kanon, karikierenden Choreografien und den verschiedenen Geschichten wird der Kinderbuchklassiker nicht nur rezitiert. Er kommt auch selbst zu Wort. Was Kinder wissen, muss den Erwachsenen wieder mühsam und etwas plakativ mit einem großen Augenzwinkern beigebracht werden. Das Augenzwinkern macht „DI_VER*SE“ aus. Es demontiert sämtliche Rollenmuster mit einem charmanten Lächeln.

„DI_VER*SE“ bringt keine neuen Wahrheiten zutage. Es arbeitet aber jene, die längst bekannt sein sollten, so klar heraus, dass es ein Vergnügen ist, daran teilzuhaben.

Das Schlusswort ist ein Zitat aus dem kleinen Ich-bin-Ich: „Ich bin ich! Und wer das nicht weiß, ist dumm!“ Ein wenig Käfig voller Narren darf zum Schluss aber nicht fehlen. Das kleine Ich-bin-Ich singt die große Botschaft klar und deutlich hinaus: „I am what I am.“ Jeder ist, was er ist, und dem Publikum gefällt das. Der, die, das Fliri, Herold, Bocek, Pedross erhalten für diese wunderbaren 75 Minuten einen über alle Geschlechter erhabenen Applaus. UV

Vorstellungen: Feldkirch, Altes Hallenbad, 13., 14., 15., 16.,
17. März. Spezial: 17. März,
14 Uhr, Themennachmittag mit Diskussion, Ausstellung, Workshops