Bregenzer Frühling: Diese Tänzer vereinen Hip-Hop, Kampf- und Seilkunst

Kultur / 08.04.2019 • 09:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Rahmen des Bregenzer Frühlings war die junge Compagnie Wang Ramirez im Festspielhaus zu Gast. voith

Die Compagnie Wang Ramirez begeisterte beim Bregenzer Frühling.

Bregenz Sie tanzen, wirbeln und schweben schwerelos am Drahtseil über die Bühne, in einer unverwechselbaren Bewegungssprache, die Elemente des Hip-Hop ebenso aufnimmt wie Kampf- und Seilkunst: Im Rahmen des Bregenzer Frühlings war die junge Compagnie Wang Ramirez im Festspielhaus zu Gast und beeindruckte die Zuschauer mit dem 70-minütigen Werk „Everyness“ des Choreografenduos Honji Wang und Sébastien Ramirez. Drei Tänzer und zwei Tänzerinnen tanzen die 2016 uraufgeführte Choreografie, Honji Wang ist dabei.

Lustvolle Bewegungssprache

Im Jugendzentrum Antenne der Berliner Underground Hip-Hop-Szene haben sie sich kennengelernt: der Franzose Ramirez mit katalanischen Wurzeln und Honji Wang, die Deutsche koreanischer Abstammung. Ramirez war schon ein Star als B-Boy, Wang hat klassisches Ballett studiert, doch als ihre Lehrer sagten, dass ihr Körper sich besser für den modernen Tanz eigne, fand auch sie zum Breakdance. Bald wurden sie zum Team, das den unterschiedlichen kulturellen Hintergrund nutzte, um eine eigene emotional aufgeladene, lustvolle Bewegungssprache zu finden, die offen ist für die Einflüsse unterschiedlicher Stile und Kulturen. Sie haben den Hip-Hop weiterentwickelt und von der Straßenszene auf die Bühne gebracht. Zugleich hat sich Ramirez vom „Rigging“, der Drahtseiltechnik, die in der Filmindustrie für Stuntszenen eingesetzt wird, inspirieren lassen, um eine besondere Form der Schwerelosigkeit zu erzielen. In der Choreografie „Everyness“ hängen in Bregenz nur eingangs zwei Tänzer an Drähten, an denen sie quasi durch die Luft wandern. Hier wird vor allem eine riesige, von innen beleuchtete weiße Kugel an unsichtbaren Fäden bewegt, die bald prall hin und her schwingt, bald wie eine Träne oder ein Schneckenhaus auf die Tänzer herabsinkt, sie einhüllt oder zudeckt – eine Interaktion von eigener Ästhetik, die sich durchs ganze Werk zieht.

Die Tänzer haben sich im Jugendzentrum Antenne der Berliner Underground Hip-Hop-Szene kennengelernt
Die Tänzer haben sich im Jugendzentrum Antenne der Berliner Underground Hip-Hop-Szene kennengelernt

Die Tänzer aus unterschiedlichen Kulturen bringen in den Bewegungsmix ihre eigene Geschichte und Individualität ein. Auch die Musik von Schallbauer alias dem Berliner Komponisten Robert Henke ist ein Mix aus Geräuschen und Musikstilen, je nach Stimmung vom Musettewalzer bis zu Pop oder Funk, dazu singen die Tänzer auch mal oder sie erzählen ihre Geschichte. In diesem Melting Pot tanzen sie in einem ständigen Fluss menschliche Beziehungen, zärtlich, romantisch oder aggressiv, ein ständiges Wechselbad von Anziehung und Abweisung bis hin zur ästhetisch abstrahierten Sprache der Kampftechnik. Christel Voith

Am 12. April zeigt die Vorarlberger Tänzerin Silvia Salzmann im Magazin 4 in Bregenz das interdisziplinäre Tanzstück „Über|ge|nug“. Beginn: 16 Uhr.