Michael Floredo schreibt Liederzyklus für Angelika Kirchschlager

Der Vorarlberger Komponist arbeitet zudem an einem Auftragswerk der Internationalen Brucknertage im Stift St. Florian.
Altach „Wir brauchen eine philosophische Auseinandersetzung darüber, was die großen Komponisten von damals wohl über das Musikleben in unserer Zeit sagen würden“, bringt Michael Floredo (51) auf den Punkt, was er anprangert: Zeitgenössische Musik stehe heutzutage viel zu selten auf den Konzertprogrammen. Wenn große Veranstalter, und damit meint er etwa auch die Montforter Zwischentöne in Feldkirch, die Gegenwart zunehmend negieren und sich bestenfalls noch mit Rap oder Pop aufplustern, dann stehe es schlecht um die Musikwelt. Floredo, im Land bestens bekannt als Komponist, Organist, Musikvermittler und Pädagoge, erinnert etwa an das Engagement von Walfried Kraher und das Forum Feldkirch, das einst als Podium für Neue Musik galt und längst Vergangenheit ist.
Arbeit mit Angelika Kirchschlager
Nicht nur die neuen Projekte des Künstlers, sondern auch die Erfolge seiner Schülerinnen zeugen davon, dass das gegenwärtige Musikschaffen anderswo geschätzt wird. Von der erst 17-jährigen Hanna Kaufmann oder Anahita Pasdar (20), die bei Auftritten überzeugt hatten, werde man noch viel hören, ist Floredo überzeugt. Er selbst arbeitet an einem Auftragswerk der Internationalen Brucknertage, das im August 2021 zur Aufführung kommen wird, und zwar im Augustiner Chorherrenstift, das dann sein 950-jähriges Bestehen feiert und in dem schon einige der großen Werke Floredos zu erleben waren. In seiner 4. Symphonie für Chor, Orchester, Mezzosopran und Orgel widmet er sich der Apokalypse. Für die bekannte österreichische Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager schreibt er einen Liederzyklus. Die Grundlage bildet „La noche ciclica“ von Jorge Luis Borges. Man darf gespannt sein, Angelika Kirchschlager wird nicht nur ihre wunderbare Stimme, die auch das Schubertiade-Publikum begeisterte, zum Einsatz bringen, sondern auch Schlagwerk-Instrumente bedienen.
Über die spärliche Präsenz der Neuen Musik hat sich Floredo jüngst auch mit dem bekannten deutschen Komponisten Wolfgang Rihm unterhalten. Auch dieser betonte, dass sich auch sehr gute Musiker heutzutage viel zu sehr „im Alten tummeln“, dabei wäre die Auseinandersetzung mit der Neuen Musik immens wichtig.