Festival Homunculus zog mit der Vielfalt des Figurentheaters rund 3100 Besucher an

Kultur / 01.06.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pavel Möller-Lück griff harte Themen wie das Altwerden mit viel Humor auf. HOMUNCULUS/BÖCKLE

Hohenems Das Festival Homunculus deckte heuer eine erfreulich große Bandbreite des Figurentheatergenres ab. Vom Objekttheater über Marionetten, Handpuppen und Klappmaulpuppen bis hin zum kongenialen Schattenspiel, das mit „Der standhafte Zinnsoldat“ von Stefan Wey im Eventcenter auf die Bühne gebracht worden ist.

Das ist eines jener Stücke, die die Zuschauer wohl am meisten beeindruckten und in den Puppentheaterkosmos mitrissen. Während die Gäste auf Stühlen Platz nehmen, erzählt ein weiß gekleideter Mann mit Zylinder, der sich rasch als H.-C.-Andersen-Figur entpuppt, von seiner Sehnsucht nach Schlaf. Er lehnt sich zurück, ein weißes Tuch wird zu einem Riesenfederbett, das ihn emporhebt und zum Kuppelzelt mutiert. Schließlich lädt er alle Zuschauer unter seine überdimensionalen Bettdecke, um mit ihnen denselben Traum zu träumen: jenen vom kleinen, einbeinigen Zinnsoldaten, der nach vielen Abenteuern im wahrsten Sinne des Wortes in Liebe für seine Ballerina entbrennt. Ein aufgeblähtes Tuch wird zur wilden See, man sitzt unter dem Zelt, erlebt magische Schattenspiele, wird vom Fisch verschlungen und landet nach dieser fantastischen aufwendigen Reise wieder am Ausgangspunkt. Auch hier endet die Geschichte mit dem Tod des Zinnsoldaten und der Tänzerin. Allerdings sind beide in Liebe verschmolzen. Statt Melancholie macht sich Euphorie breit:  Mit „einzigartig, berührend, das ist das Schönste, was ich je gesehen habe“, lassen sich die Publikumsstimmen zusammenfassen.

Starke Themen

Publikumsliebling Pavel Möller-Lück transportierte mit seiner neuen Produktion „Der Mann, der niemals weinte“ die Themen Alzheimer, Liebeskummer und Burnout gekonnt und mit viel Humor. „Opa Paul“ schien so real, dass man stellenweise vergaß, dass es sich um eine Puppe handelte. Esther Vorwerk unterstützt den ehemaligen Intendanten bei seiner Familien-Entdeckungsreise. Für die Kinder spielte er seinen Klassiker „Vom Fischer und seiner Frau“.

Ein weiteres Highlight brachte die Schweizer Compagnie KNPV nach Hohenems. Philippe Nauer und Priska Praxmarer sorgten mit „Fünf Gründe warum Delfine böse Tiere sind“ für eine temporeiche Österreichpremiere ihrer bissigen Satire. Die beiden Berner Puppenspieler wechseln zwischen Handpuppen und Schauspiel. Videoclipartige Einspielungen mit verschiedenen Puppenfiguren sorgen für Dokumentarfilmcharakter, dann gibt es wieder turbulente Szenen, Zeitlupensequenzen und actionreiche Schießereien. Gerechtigkeit, Moral und Verantwortung  bleiben ebenso auf der Strecke wie ein paar beklagenswerte Opfer. Und was meint Intendantin Susi Claus? „Heuer jagte ein Highlight das nächste. Manche Stücke waren ein Wagnis, da ich sie vorher nicht live gesehen hatte. Man weiß nicht, ob es so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Doch dann waren es fantastische Inszenierungen, sowohl was die Dramaturgie, die Ästhetik des Spiels als auch die Geschichten betrifft. Das Festival müsste fast verlängert werden, da die Nachfrage nach Neuem groß ist.“

Laut Geschäftsführer Dieter Heidegger lag die Auslastung bei 95 Prozent. Rund 3100 Besucher konnten gezählt werden. VN