In Ypsilon wartet das Abenteuer

Kultur / 09.06.2019 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine Arbeit von Patrick Graf. FEHLE

Werke von Patrick Graf und Florian Bühler in der Galerie Sechzig.

Feldkirch Ypsilon, das ist jenes Land und jenes Zeitalter, das der Schweizer Künstler Patrick Graf (geb. 1981) entworfen und schließlich in seiner Malerei zum Leben erweckt hat. Nicht auf der Leinwand wohlgemerkt, denn deren Textur liegt ihm nicht. Graf malt auf Aluminium, auf Rückseiten von Spiegel, auf glattem, kühlem Material. Das füllt er mit Farbe und einer bunten Multikultipopulation. Die Bewohner Ypsilons sind Fabelwesen, Menschen, Tiere, Roboter, kurz und gut, alles was man sich nur kreuchend und fleuchend vorstellen kann. Der Reiz seiner Arbeiten liegt im Entdecken. Immer ist da nämlich irgendwo eine Referenz an die Kunstgeschichte. Mal scheint man durch waghalsige Mauerkonstruktionen an Escher erinnert, mal tauchen antike Tempel auf. Kaum scheint man Ypsilon verstanden zu haben, durchbricht Graf diese Sicherheit und man entdeckt, dass der Einblick in eine fremde Welt auch nur der Ausschnitt eines Online-Games sein könnte.

Das Entwerfen neuer Welten setzt Graf schließlich auch dann fort, wenn er die Fläche der Malerei verlässt und mit seinen Installationen den Raum der Feldkircher Galerie Sechzig einnimmt. Allesamt aus Karton gesteckt, sprießt da Mais, reckt sich dort eine Palme und entfaltet sich schließlich ein ganzer kleiner Urwald inklusive Tierwelt. Der Clou daran ist, dass diese Welten nicht nur begehbar sind, man also Teil der Installation wird, sondern dass sich in ihnen Querverbindungen zu Grafs Malerei finden. Die Palme, die man eben noch auf der Fläche betrachtete, steht dem Betrachter nun gegenüber. Patrick Grafs Welten kann man nicht nur bereisen, sondern man kann buchstäblich in sie eintauchen. Grafs Arbeiten sind nämlich tragbar. Aber auch hier lauert die Irritation und so finden sich im scheinbaren Idyll des Waldes eben auch die Motorsäge und das Jagdgewehr.

Fallensteller

Auch Florian Bühler (geboren 1983) mit seiner fotorealistischen Malerei entpuppt sich als Fallensteller. Und auch seine Täuschung ist eine mehrfache. Foto oder Malerei? Greifbar oder Abbild? So liegt das Holz im Kamin und wartet nur auf das Streichholz. Erst im Näherkommen bemerkt man die feinen Pinselstriche. Da ist die Plastikflasche, die scheinbar achtlos weggeworfen hin und her schwimmt. Plötzlich fällt der Blick auf ein Augenpaar, das da aus der Flasche aufblickt. Oder die scheinbar unaufgeregten Idyllen, die ganz nebenbei den schönen Schein auflösen. So schleicht sich zwischen Fotos und Laufschuhe einer Sportlerin zum Beispiel auch ein zurückhaltend flackerndes Grablicht ein. Was sucht es da? Sind das etwa Erinnerungen an eine längst Verlorene? So spielt Florian Bühler weiter mit den Betrachtern Katz und Maus. Bühler gestaltet übrigens ausschließlich Stillleben. Auch ein Selbstporträt hat unter seiner Regie diese Bezeichnung verdient. Nie aber sind seine Stillleben ohne Stachel. Der kann mal ernster und mal humorvoller ausfallen. Da ist er aber immer.

Die Galeristen Leonie Hirn und Calvin Mechora haben mit Graf und Bühler zwei Positionen aktuellen Kunstschaffens jenseits des Rheins nach Feldkirch geholt. Und so unterschiedlich diese auch sein mögen, so perfekt gelingt in der Galerie Sechzig die Zusammenführung in einem Kunstparcours, der zwar mit Sehfallen gespickt ist, bei dem es aber ein Genuss ist, in jede einzelne Falle zu tappen. vf

Ausstellung mit Arbeiten von Florian Bühler und Patrick Graf bis 20. Juli in der Galerie Sechzig in Feldkirch (Ardetzenbergstraße 60), Do und Fr, 16 bis 19 Uhr, Sa, 12 bis 16 Uhr.