Gerald Matt

Kommentar

Gerald Matt

Hommage an Harald Serafin

Kultur / 11.07.2019 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die Seefestspiele Mörbisch laden dieses Jahr ins „Land des Lächelns“. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Fahrt nach Mörbisch hat sich gelohnt. Der Operettenschlager wartet mit einer witzigen Inszenierung und einem spektakulären Bühnenbild auf, das uns auf eine Reise vom Wurstelprater am Neusiedlersee bis zu einem überdimensionalen Drachenkopf nach China führt. Die Culture-Clash-Operette „Das Land des Lächelns“ ist nach der „Lustigen Witwe“ Lehárs erfolgreichste und dramatischste Operette, die erstmals am 10. Oktober 1929 im Berliner Metropol-Theater als Remake ihrer weniger erfolgreichen Vorgängerin unter dem Titel „Die gelbe Jacke“ aufgeführt wurde. Das Stück spielt in Wien und Peking im Jahre 1912.

Es gibt kein Happy End, aber dafür große Gefühle, die an eine italienische Oper à La Puccini erinnern, mit dem Lehár auch befreundet war. Opulent ist das Orchester, berührend sind die Melodien, unter ihnen ein Evergreen wie „Dein ist mein ganzes Herz, wo du nicht bist, kann ich nicht sein“, das einst speziell auf den Tenor Richard Tauber zugeschneidert war. So entstand bereits 1930 eine Verfilmung der Operette, die mit Tauber in der Hauptrolle zum ersten internationalen Erfolg des deutschen Tonfilms wurde. Der Plot: Die Grafentochter Lisa verliebt sich bei einem Fest in den chinesischen Prinzen Sou-Chong. Entgegen den Warnungen ihres Vaters folgt sie ihrer Liebe nach China. Lisa kommt mit der ihr fremden Welt jedoch nicht zurecht. Als der Prinz nach altem Brauch vier Mandschu-Mädchen zu heiraten hat, verzweifelt sie und will zurück in ihre Heimat. Sou-Chong lässt sie mit einem traurigen Lächeln ziehen.

Auf die Frage, warum er in seinem Alter noch auftrete, antwortete der mit 87 Jahren noch unglaublich aktive Sänger: “Weil das das Leben eines Künstlers ist.“

Harald Serafin, Bariton

Einer der Mörbisch-Höhepunkte ist der Auftritt von Harald Serafin als Obereunuch des Kaisers sein. Bariton, Publikumsliebling und Stimmungskanone Serafin machte als langjähriger Intendant die („seine“) Seefestspiele Mörbisch von einem Provinzspektakel mit Gelsen („Gelsenreitschule“) in einen über die Landesgrenzen hinaus beachteten Operettensommer. Sein Debüt in Mörbisch feierte Serafin im Jahr 1985 im „Weißen Rössl“. Serafin war seit seinem Abschied 2012 auf der Seebühne nicht mehr zu erleben. Dabei reagierte Serafin, als er von dem von ihm geschätzten Nachfolger Peter Edelmann das Angebot des Obereunuchen erhielt, skeptisch: „Da hab ich ein Leben lang im Frack verbracht, und jetzt soll ich ein Beschnittener sein!“ Erst auf gutes Zureden seiner Frau und seines Busenfreundes Otto Schenk („die beste Rolle“) stimmte er zu. Auf die Frage, warum er in seinem Alter noch auftrete, antwortete der mit 87 Jahren noch unglaublich aktive Sänger: “Weil das das Leben eines Künstlers ist. Soll ich Tomaten pflanzen?“

Gespielt wird bis zum 24. August. Edelmann, der im Vorjahr seinen Einstand als Intendant mit „Gräfin Mariza“ gefeiert hat, zeigt, dass Populäres und Qualität in der Kunst kein Widerspruch sein müssen, und Harald Serafin, dass er nichts von seiner Energie und seinem Charme verloren hat.

Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.