Papageno singt im Hohenemser Palast auch Schubert

Kultur / 28.07.2019 • 16:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Konzert mit Edelmann und dem Honeck-Quartett im Rittersaal. Jurmann
Konzert mit Edelmann und dem Honeck-Quartett im Rittersaal. Jurmann

Bariton Paul Armin Edelmann gab den Liedern mit dem Honeck-Quartett ein neues Gewand.

HOHENEMS Beide sind sie Söhne berühmter Väter. Der Wiener Paul Armin Edelmann (51) trat als Bariton in die Fußstapfen des legendären, 2003 verstorbenen Staatsopernsängers Otto Edelmann, der Vorarlberger Geiger Matthias Honeck (34) ist ein Sohn des international erfolgreichen Dirigenten Manfred Honeck. Gemeinsam musizierten die beiden am Samstag mit einem fein gewählten Programm aus Liedern und Kammermusik im Rittersaal des Palastes in Hohenems. Dabei präsentierte Honeck sein eigenes Streichquartett. Paul Armin Edelmann ist als Sänger international tätig und lebt mit seiner aus Vorarlberg stammenden Gattin, der Mezzosopranistin Nina Plangg, in Wien. Zuletzt war er hier 2013/14 ein hinreißender Papageno in Mozarts „Zauberflöte“ auf der Bregenzer Seebühne. Was bedeutet das Lied für ihn als Opernsänger? „Für mich ist es die Rückkehr zu meiner größten Leidenschaft.“ Gibt es für ihn Verbindungslinien von Papageno zu Schubert? „Natürlich! Weil ich eher dazu tendiere, die Oper wie ein Lied zu singen und nicht umgekehrt.“ Und wirklich ist bei Edelmanns lyrischem Bariton die Stimme wohltuend schlank und beweglich erhalten, blüht nur in den Höhepunkten vollmundig strahlend auf und erinnert dabei an Hermann Prey in seinen ersten Schubertiade-Jahren.

Reizvoll anders

Das Besondere seines Auftritts: Edelmann singt im Zentrum des Konzerts eine Reihe bekannter Schubertlieder, von der lieblichen „Taubenpost“ bis zum dramatischen „Erlkönig“, nicht mit der üblichen Klavierbegleitung, sondern in speziell ausgeklügelten Arrangements zusammen mit dem Streichquartett. Das gibt diesen Liedern oft eine völlig neue Deutung der Farben und Schattierungen, so reizvoll anders, wie man es auch bei der Schubertiade selten erlebt. Edelmanns gepflegter Ausdruck, seine Natürlichkeit in Stimmführung und Diktion und die Wärme seiner Stimme machen diese Lieder zu echten Kostbarkeiten.

Matthias Honeck hat vor Kurzem das Probespiel zum Stimmführer der Zweiten Geigen ab August bei den Wiener Symphonikern gewonnen und nutzt den jährlichen Aufenthalt seines Orchesters bei den Bregenzer Festspielen zu eigenen kammermusikalischen Aktivitäten in seiner Heimat.

Als Rahmen für dieses Konzert haben sie zwei bekannte Streichquartette von Haydn und Dvorák gewählt, die in der angenehmen Akustik wunderbar zur Wirkung kommen. Mit energischem Zugriff und in transparentem Klangbild entsteht Haydns Nr. 1 aus Opus 76 in G-Dur als eines der berühmten „Erdödy-Quartette“ mit seinem ruhevollen zweiten Satz und dem motivisch kleinräumigen Menuett, das höchste Konzentration verlangt. Da ist Dvoráks populärstes Streichquartett in F-Dur von ganz anderem Zuschnitt. Mit seinen böhmisch eingefärbten Melodien und Natureindrücken aus der Neuen Welt spiegelt es auch das Heimweh des Komponisten. Die Musiker greifen diese Gefühle gerne auf, setzen sie in dichtem Klang und einem fröhlichen Finale um. Fritz Jurmann