Glänzendes Schubertiade-Debüt für den Kammerchor Feldkirch

Kultur / 30.08.2019 • 13:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Schubertiade ist immer wieder gut für Besonderes. SCHUBERTIADE

Benjamin Lack brillierte bei der Schubertiade mit dem Kammerchor Feldkirch.

Schwarzenberg Die Schubertiade ist immer wieder gut für das Besondere. Kein Mensch hätte vermutet, dass ein geistliches Konzert in einem mitreißenden Ereignis von so enormer Wirkkraft enden würde. Dabei hätte man ein solches Programm wie früher lieber in der Pfarrkirche veranstaltet, was aus logistischen Gründen nicht möglich war. Aber auch im Angelika-Kauffmann-Saal entwickelte sich diesseits und jenseits der Rampe eine intensive geistlich-religiöse Stimmung, aus der das Publikum nach gut eineinhalb Stunden wie aus einer Trance erwachte und mit heuer selten so gehörtem Jubel und dem Einsatz der Trampelfraktion reagierte. Ein Triumph für die meisterliche Gemeinschaftsleistung eines international besetzten Solisten- und Begleitensembles, vor allem aber auch für den von Benjamin Lack vorbereiteten und geleiteten Kammerchor Feldkirch, der sich mit diesem glänzenden Debüt Gerd Nachbauers Vertrauen mehr als würdig erwiesen hat.  

Rossinis „Petite Messe solennelle“ ist ein Alterswerk des 71-Jährigen, der 30 Jahre zuvor seine letzte Oper komponiert hatte und sich inzwischen mehr der Koch- statt der Notenkunst widmete. Die Messe ist dennoch prall gefüllt mit den schönsten Eingebungen in einer Synthese aus kontrapunktischer Satztechnik, flüchtiger Chromatik und harmonischer Kühnheit. Doch bei allem Bemühen um eine spirituelle Ausrichtung blitzt beim Komponisten doch stets der Schalk des Meisters der „Opera buffa“ durch.

Wie aus dem Bilderbuch

Lack hält diese Belcanto-Einflüsse wie im Frauen-Duett „Qui sedes“ oder der Bariton-Arie „Quoniam“ im Zaum und wahrt damit dem Werk seine Ernsthaftigkeit. Die beiden virtuosen Chorfugen im Gloria und im Credo bilden Solitäre, die der Dirigent mit seinem 30-köpfigen, paritätisch zwischen Frauen- und Männerstimmen aufgeteilten Ensemble mit einer Präzision der Stimmen wie aus dem Bilderbuch meißelt, mit großer Geste, dramatischem Aufbegehren und leidenschaftlichem Forte. Der Chor zeigt sich auch hier, wie man ihn kennt: von großer dynamischer Bandbreite, leichtfüßig, durchsichtig und wortdeutlich im italienisch ausgesprochenen Latein des Mess-Ordinariums. Qualität auf anderer Ebene offenbaren die Sänger in den geschlossenen A-cappella-Teilen im Kyrie, Sanctus oder Agnus, wo sie haargenau die Intonation halten. Ein ganz besonderer Tag in der Geschichte des Kammerchores.

Pianist Igor Levit zaubert mit spinnenfingriger Gestik wie einst Glenn Gould die wunderbarsten Begleitpassagen aus dem Steinway. Daneben dreht die Japanerin Ryoko Morooka an einem für heutige Ohren seltsam fremd klingenden Harmonium vor allem im zauberhaften „Prélude religieux l’Offertoire“ die Zeit zurück. Das exklusiv ausgesuchte Solistenquartett ist zwar an zwei Positionen durch Erkrankung dezimiert, aber offenbar gleichwertig ersetzt worden. So erfreut man sich ohne jeden Einwand an gehaltvollen Quartetten, Duetten und Arien, wie sie Sopran-Einspringerin Simona Saturová („Crucifixus“, „O salutaris hostias“), Altistin Tara Erraught („Agnus Dei“), Tenor-Einspringer Ilker Arcayürek („Domine Deus“) und Bariton Andrè Schuen („Quoniam“) voll Hingebung und Wärme zelebrieren. Fritz Jurmann

Rundfunk-Wiedergabe 5. September, 19.30 Uhr, Ö1
Schubertiade Schwarzenberg, Samstag 31. August: 11 Uhr Wiener Klaviertrio; 16 Uhr Sophie Rennert, Sopran, Helmut Deutsch, Klavier; 20 Uhr Igor Levit, Klavier