Literatur als Inspiration für das künstlerische Schaffen

Kultur / 17.09.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Großformatige Bilder stehen im Zentrum der Ausstellung „Schwarze Tulpen“. VN/PAULITSCH

Künstler Jakob Kirchmayr zeigt im Bildraum Bodensee die Ausstellung „Schwarze Tulpen.“

Tanja Schwendinger

Bregenz Die Literatur ist es, die den gebürtigen Tiroler Künstler Jakob Kirchmayr (43) in seinem Schaffen beeinflusst und inspiriert. Aufgewachsen in einer künstlerischen Familie, setzte er sich schon früh mit Büchern und deren Illustration auseinander. „Maler zu werden habe ich mir nicht ausgesucht, das ist mir einfach passiert“, erzählt Kirchmayr. Über die Jahre hat er jedoch seinen ganz eigenen künstlerischen Stil gefunden und die Illustration und die Buchbranche hinter sich gelassen. Von der figurativen Kunst, die sein Schaffen über Jahre prägte, hat sich Kirchmayr mittlerweile distanziert. Er konzentriert sich in seinen neusten Arbeiten auf großformatige, abstrakte Naturstudien auf Papier und Leinwand. „Es hat eine Art Loslassen stattgefunden. Wird eine Figur abgebildet, verliert man schnell den Blick für den Hintergrund“, begründet Kirchmayr seinen Sprung zu den Naturstudien.

Als Kontrast zu den großformatigen Bildern zeigt Kirchmayr kleinformatige Bilder sowie Fundstücke aus der Natur.
Als Kontrast zu den großformatigen Bildern zeigt Kirchmayr kleinformatige Bilder sowie Fundstücke aus der Natur.

Die Beschäftigung mit der Literatur ist jedoch stets geblieben. Im Bildraum Bodensee zeigt der in Wien lebende Künstler in seiner neuen Ausstellung „Schwarze Tulpen“ Bilder von poetischer Kraft. Bemerkbar macht sich die Lyrik unter anderem durch Textfragmente, die er in seine Bilder einfließen lässt. Als Inspiration für die neuesten Werke dienten ihm Texte des schwedischen Autors Tomas Tranströmer, des griechischen Dichters Jannis Ritsos oder der polnischen Nobelpreisträgerin Wisława Szymborska. Auch seine Liebe zu Griechenland, Landschaften und Gefühle, die Kirchmayer während vieler Urlaube als Kind aufgesaugt hat, spiegeln sich in seinen Arbeiten wider. 

Unweigerlich fällt der Blick auf das titelgebende großformatige Werk „Schwarze Tulpen“ auf Baumwollgewebe mit Verknitterungen, die dem Werk skulpturalen Charakter verleihen und auf die Disbalance in der Natur und der menschlichen Seele zu verweisen scheinen. „Schwarze Tulpen haben für mich etwas Morbides, etwas Trauriges. Gleichzeitig schwingt auch die abartige Zuchtkultur der Schnittblumen mit“, erklärt der Künstler.

Erstmals zeigt Jakob Kirchmayr Objekte.
Erstmals zeigt Jakob Kirchmayr Objekte.

Als Kontrast zu den großformatigen Bildern zeigt Kirchmayr kleinformatige Werke und erstmals auch Objekte aus persönlichen Fundstücken. Gesammelte Stücke, die achtlos liegengelassen wurden, verarbeitet er zu Kunstwerken. Eine beim Pilzesammeln gefundene rostige Eisenkette in etwa verschmilzt mit getrockneten Sonnenblumen zu einer Einheit, die bei näherer Betrachtung einen kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Zustände wirft. „Es geht mir dabei auch um die Zerbrechlichkeit. Wenn man nicht achtsam damit umgeht, bricht es zusammen.“

Achtsamkeit

Ein einschneidendes Erlebnis war für Kirchmayr ein komplett vermüllter Strand, auf den er während eines Urlaubs in Kroatien gestoßen ist. Einige Fundstücke aus dieser Reise verarbeitete er ebenfalls zu neuen Objekten. „Das Thema Achtsamkeit wird künftig immer wieder in meine Arbeiten einfließen. Es ist hochaktuell und beschäftigt mich ungemein.“

Die Ausstellung ist von 17. September bis 15. Oktober geöffnet. Bildraum Bodensee, Bregenz.