Die Montforter Zwischentöne laden zum Warten

Kultur / 18.09.2019 • 21:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die künstlerischen Leiter der Zwischentöne: Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl.

Das Festival ergründet Zeiträume zwischen Dialog und Musik für die verschiedenen Aspekte des Wartens und mögliche Bedeutungen für die Gegenwart.

Tanja Schwendinger

Feldkirch Wie wichtig ist Warten? Wann ist der richtige Moment, zu entscheiden? Kann uns das Warten Geduld lehren? Und kann es uns auch lehren, Bestehendes wertzuschätzen? Diesen Fragen und deren möglichen Bedeutungen für die Gegenwart widmen sich die Montforter Zwischentöne in der diesjährigen Herbstreihe. „Das Thema Warten ist in der Zeit, in der wir leben, sehr relevant. Wir sollten uns manchmal einbremsen und nicht dem Aktionismus verfallen“, sagt Montforthaus-Geschäftsführer Edgar Eller.

Die Montforter Zwischentöne finden als Veranstaltungsreihe drei Mal im Jahr statt und sind jeweils einem Hauptthema gewidmet. In diesem Herbst stehen vier Formate auf dem Programm, das die künstlerischen Leiter Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde erstellt haben. „Bei den Zwischentönen geht es darum, auf verschieden Ebenen Nähe im künstlerischen Sinn herzustellen und mit dem Raum sowie der eigenen Stadt in Kontakt zu treten. Außerdem ist es uns wichtig, mit herausragenden internationalen und regionalen Künstlern zusammenzuarbeiten“, sagt Hans-Joachim Gögl.

Mit dem „Warteraum“ schaffen die Architekten Solveig Furu Almo und Lukas Pankraz Mähr vom Studio Saal im Palais Liechtenstein einen Ort der Begegnung: ein Pop-up-Kino mitten in der Stadt. Zu sehen sind Videoarbeiten von Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen, darunter Gottfried Bechtold, Rose Breuss, Marbod Fritsch, Claudia Larcher, Angelo Roventa oder dem Ensemble Tanzufer.

Im Mini-Kino ist auch ein Beitrag des Ensembles Tanzufer zusehen.
Im Mini-Kino ist auch ein Beitrag des Ensembles Tanzufer zusehen.

Ohne Musik geht bei den Zwischentönen freilich nichts. Einen musikalischen Höhepunkt setzt das Konzertformat „Tobu – Trio für sechs“, bei dem ein klassisches Jazztrio mit zwei Pianisten, zwei Bassisten und zwei Schlagzeugern doppelt besetzt wird. Dazu wurden drei Meister und drei Meisterschüler eingeladen. Der eine spielt, der andere wartet jeweils auf seinen Einsatz und übernimmt im Flug. Pierre Favre interagiert mit Chris Jaeger, Pianist Peter Madsen mit David Helbock und Bassist Heiri Känzig mit Georg Breinschmid. Die künstlerischen Leiter bezeichnen dieses Konzertformat als Experiment, das sich nicht proben lässt und daher besondere Spannung verspricht.

Auch in der Klassik wird im Herbst ein Schwerpunkt gesetzt. Inmitten der Bewerbung für die Europäische Kulturhauptstadt 2024 blicken die Zwischentöne über den Tellerrand hinaus und kooperieren für das Konzert „Orgelduell – Hinspiel Rückspiel – Warten auf den Sieger“ mit der Stadt Dornbirn. Die unterschiedlichen Klangwelten der Orgel im Feldkircher Dom und jener in der Kirche St. Martin in Dornbirn werden einander in einem besonderen Format gegenübergestellt. Die international renommierten Organisten Laszlo Fassang und Martin Sturm werden in ihrer Kreativität dahingehend herausgefordert, dass sie spontane Aufgaben gestellt bekommen, durch die die ganze Originalität, Ausdruckskraft, der Einfallsreichtum und die Virtuosität der Musiker erlebbar gemacht werden. Die Aufgaben stellt Musikwissenschaftler Bernhard Schrammek, moderiert wird das Event von Annekatrin Hentschel. Das Publikum entscheidet, wer gewinnt. „Egal, wie die Bewerbung um die Kulturhauptstadt ausgeht, dieses Orgelduell wird entweder der musikalische Auftakt oder die große Abschlussveranstaltung“, sagt Edgar Eller schmunzelnd.

Vorweihnachtlicher Pilgerweg

Einen weiteren und durchaus meditativen Aspekt des Wartens bringt der vorweihnachtliche Pilgerweg „Wozu noch warten?“ Elf Fragen zum eigenen Leben konfrontieren den Besucher mit sich selbst, mit seinen Wünschen, noch nicht gelebten Fähigkeiten, Berufungen oder Veränderungsplänen. Dazu wurden elf besondere Orte in der Stadt ausgewählt, die es im Laufe des Rundgangs zu entdecken gilt. Startpunkt ist die Rezeption des Hotels Gutwinski. Dort ist der Besucher aufgerufen zu fragen, ob eine Nachricht für ihn hinterlassen wurde. „An jeder der Stationen gibt es eine persönliche Nachricht und den Hinweis zur nächsten Station. Es wurden Plätze ausgewählt, die den Besucher unterstützten, sich über diese Fragen des Lebens Gedanken zu machen“, erklärt Gögl.

Musikalisches Finale

Mit dem Adventkonzert „Immer warte ich auf Wunder“ gehen die Zwischentöne im Montforthaus ins Finale. Die deutsche Schauspielerin Martina Gedeck liest, die Sopranistin Dorothee Mields singt. Auf dem Programm stehen Lieder zum Advent sowie Arien von Johann Sebastian Bach und das Concerto Köln musiziert vorweihnachtliche Stücke zum Thema Erwartung. Dabei spannen die Zwischentöne den Bogen zwischen der Meditation über das Warten und großer festlicher Orchestermusik.

Montforter Zwischentöne zum Thema Warten: 7. November bis 19. Dezember, Feldkirch. Programm: montforter-zwischentoene.at; Tickets: Montforthau